The Drums sind die Band dieses Sommers

Sie surfen auf der perfekten Welle

Jung und schön: The Drums mit Connor Hanwick (von links), Adam Kessler, Sänger Jonathan Pierce und Jacob Graham. Foto: nh

Am liebsten hätte es Jonathan Pierce gehabt, wenn das Debüt seiner Band The Drums ohne Musik und nur als Fotoalbum erschienen wäre. Das wäre konsequent gewesen. Mit seinem Kumpel Jacob Graham, den der Pfarrerssohn aus Ohio in einem christlichen Ferienlager kennenlernte, hatte er sich schon Fotos und Posen ausgedacht, bevor die beiden The Drums überhaupt gegründet hatten.

Als es die Band dann endlich gab, ließen sich die New Yorker von dem französischen Modedesigner und Fotografen Hedi Slimane ablichten, der schon Lady Gaga ins rechte Licht gerückt hat. Im Video zu „Let’s Go Surfing“ laufen die vier dünnen Jungs drei Minuten lang im Dunkeln über einen Strand. Der Clip zu „I Felt Stupid“ zeigt sie in Leni-Riefenstahl-Ästhetik bei Leichtathletik-Disziplinen.

Pierce und seine drei Kollegen tragen die richtigen Frisuren und Klamotten. Ein Fotoalbum mit ihnen wäre der Renner geworden, aber die Musik ihres selbst betitelten Debüts hätten wir doch vermisst.

Die elf Songs verbinden den sorgenlosen Surf-Sound der Beach Boys mit der Melancholie britischer Gitarren-Bands wie Joy Division und The Smiths. Deren Sänger Morrissey ist das erklärte Vorbild von Pierce, der mit seiner ersten Gruppe Elkland schon einen Vertrag bei einem Plattenmulti hatte, dort aber verheizt wurde, wie er meint.

Nun sorgt er mit seiner neuen Band für den ersten großen Hype des Jahres. Ein BBC-Moderator erklärte „Best Friend“ zur „heißesten Single des Jahres“. Dabei ist die Musik so was von Retro. Es gibt keinen Schnickschnack, die Songs sind geradeaus, nicht einmal ein Bass ist notwendig.

The Drums beweisen, dass es im Pop mehr auf Schein als auf Sein ankommt: Man muss nicht unbedingt sein Instrument beherrschen, aber cool sollte man sein. „Mir gefiel besser, wie Joy Division aussahen als ihre Musik“, sagt Pierce.

Vielleicht haben wir The Drums im nächsten Winter wieder vergessen, aber erst einmal sind sie die Band dieses Sommers. Wie blöd, dass die Jungs in Wirklichkeit gar nicht surfen können. In „Let’s Go Surfing“ erreichen sie nicht einmal den Strand.

The Drums: The Drums (Cooperative Music / Universal). Wertung: !!!!:

Von Matthias Lohr

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