Mit Sven Regener auf dem Fischkutter

+
Sänger, Gitarrist und Trompeter: Sven Regener von Element of Crime, im Hintergrund Gitarrist Jakob Ilja.

Vellmar. Element of Crime traten beim Vellmarer Sommer im Park auf - und die 1200 Besucher im ausverkauften Zelt umjubelten Frontmann Sven Regener und seine Crew.

Man kommt ja bei Element of Crime nicht umhin, in maritimen Klischees zu denken. Vielleicht, weil der gebürtige Bremer Sven Regener, Frontmann der 1985 gegründeten Formation, eine solch trocken-lakonische Ausstrahlung hat. Und weil die Band schon mal bewusst die „norddeutsche Folkloretube“ drückt. So sagte der auch als Schriftsteller („Herr Lehmann“) gefeierte 55-Jährige Mittwochabend beim Festival Sommer im Park in Vellmar (Kreis Kassel) einen Titel an: Immer schwingt Seefahrerromantik mit.

Um also im Bild zu bleiben: Element of Crime waren bei ihrem Auftritt eher Fischkutter als Jacht, sie boten Räucherfisch statt molekulare Cuisine, solide, handgemacht und routiniert, die Songs kurz und knackig. David Young spielte seinen Bass stoisch wie ein Fährmann, der x-mal am Tag auf der gleichen Strecke übersetzt.

Wobei man Kapitän Regener und seiner Crew - er stellt die Bandmitglieder im Lauf der fast zwei Stunden überhaupt nicht vor - mit den Schiffsvergleichen andererseits auch unrecht tut. Manchmal klingen Element of Crime entfernt nach Wildem Westen - und dann wieder, und das ist überhaupt nicht als Vorwurf zu verstehen, wie eine Kirmeskapelle, die auch ein bayerisches Bierzelt in Wallung bringen könnte - nämlich volkstümlich im besten Sinne: Wenn Regener die Trompete ansetzt und mit Saxofonist Rainer Theobald Akkorde spielt, die auch einen Stefan Mross begeistern würden.

Das Zarte, Leise und Poetische treibt die Band den oft so melancholischen Songs an diesem Abend weitgehend aus - es geht ziemlich ruppig zur Sache mit treibenden und dröhnenden Gitarrenriffs (Jakob Ilja), forciert von Richard Pappik am Schlagzeug - so auch beim Serge-Gainsbourg- und Alexandra-Song „Akkordeon“.

Regener, der gerade erst als Grimm-Professor der Kasseler Universität in der Region zu Gast gewesen ist, spricht wenig, dann aber witzig, wenn er etwa das Lied „Liebe ist kälter als der Tod“ mit dem Filmtitel von Rainer Werner Fassbinder („der Spaßvogel aus München, der Louis de Funès des deutschen Autorenfilms“) in Verbindung bringt. Er verausgabt sich bei der Mixtur aus uralten und neueren Songs sehr.

Die 1200 Besucher, die von der Indierock-Vorgruppe Per Anders auf den Abend eingestimmt wurden, bejubeln am meisten die Zugaben, „Delmenhorst“, „Weißes Papier“ oder „Alten Resten eine Chance“. Das Publikum gehört angenehmerweise einer Generation an, die nicht zwanghaft ununterbrochen das Smartphone in die Höhe halten muss, sondern lieber den Augenblick genießt. Oder besser: unzählige Momente in einem Konzert mit Höhepunkten (wie „Bitte bleib bei mir“), aber aus einem Guss.

Element of Crime spielen am 30. Juli beim Burg-Herzberg-Festival in Breitenbach.

Sommer im Park Freitag, 20 Uhr: Die Kernölamazonen. Samstag, 20 Uhr: Bodo Wartke.

Von Mark-Christian von Busse

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.