Performance von Steffen Moddrow in der Regiotram zwischen Kassel und Calden

Swingen mit Bierdosen-Gongs

Musik in der Regiotram: Steffen Moddrow hatte seine Instrumente unter anderem im Köfferchen dabei. Foto: Fischer

KASSEL /CALDEN Wenn Steffen Moddrow auf Reise geht, hat er interessante Dinge dabei. Niedlich-neckische Vibratoren aus dem Sexshop, einen Wäscheständer mit Bierdosen-Gongs, Plastikflaschen und Klebeband. Damit führte der Kasseler Schlagzeuger und Performance-Künstler am Samstagabend in der Regiotram 4 ein amüsantes Spektakel auf - zur Freude seiner Fans, die dicht aneinander gedrängt die Handys und Fotoapparate zückten, um das Kunstevent im Bild zu bannen. Emsig feuerten sie den mobilen Performer an: „Zugabe! Mach’s noch mal, Junge!“

Die Vibratoren tanzten auf den Dosen, Moddrow trommelte sich in Rage, spannte Klebeband durch den Zug, und das Publikum schwenkte als Dank für die anarchistische Belustigung Staubwedel, die man von einer Dame bekommen hatte.

Kunst mit Käsebrot

Nach 20 Minuten war das Ziel erreicht. In Kordula Kloses heimeligem Café im Bahnhof Fürstenwald versorgte man sich mit leckeren Tortenstücken und Käsebroten. Lustig ging der Abend für die fünfzig Gäste weiter.

Moddrow bezog nun muntere Kollegen in die Performance ein, etwa trommelndes Duracell-Spielzeug, das mit ihm ein Zappa-Stück aufführte. In grotesken Liedern zeigte er weitere Aspekte seines Schaffens. Denn er ist nicht nur ein Wunderkind der Sinnlosigkeit mit dem Mut zu Aktionen, die andere als infantil erachten würden. Darüber hinaus lässt er in seinen Texten, zum Beispiel über eine Beauty-Farm, den Stachel der Zivilisationskritik mitschwingen.

Man war erneut begeistert und bekam in der Zugabe den Beweis, dass Moddrow mit Spaghetti swingen kann. Auch pfiffig: Als Eintrittskarte erstand das Publikum die DVD „Beatmikado“ mit Videokunst von Kilian Kretschmer. 16 Minuten dokumentieren darauf Moddrows aberwitziges Schlagwerktheater.

Von Georg Pepl

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