Szenen einer Ehe: Das kalifornische Emerald Duo in Kassel

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Das Emerald Duo: Geigerin Susan Doering und Cellist Dieter Wulfhorst.

Kassel. Da werden ja zwei Musikstile gemixt. Dachte man in der Erlöserkirche Harleshausen, als das Emerald Duo einen uramerikanischen Walzer servierte.

In Scott Joplins „Bethena“ hüpften die Synkopen des Ragtime im alteuropäischen Dreiertakt. Susan Doering (Violine) und Dieter Wulfhorst (Violoncello) erweiterten in ehelicher Harmonie und mit interessanten Stücken den musikalischen Horizont.

Die Streicher, beide angesehene Musiker und Pädagogen, lehren an der kalifornischen Fresno Pacific University. Auch ein Werk eines ihrer Schüler zierte das bunte, von 30 Gästen gehörte Programm. Witzig barock wie aus dem 18. Jahrhundert gab sich das Duo von Benjamin Certain (Jahrgang 1989). Allein der langsame Satz schlug östlich anmutende Klagetöne an.

Susan Doering und Dieter Wulfhorst spielten spritzig, energisch und klar artikuliert. Szenen einer Ehe glichen die umfang- wie konfliktreichen „Conversations“ des US-Komponisten David Ott (Jahrgang 1947). Authentisches 18. Jahrhundert gab’s unter anderem mit der „Air varié“ von Louis Massonneau (1766-1848), einem in Kassel geborenen Komponisten.

In seiner Moderation wies Wulfhorst auf Massonneaus stilistische Nähe zu Beethoven hin. Schroffe Akzente fuhren abrupt in die galanten Variationen des Kasseler Hugenotten. Ein gewichtiger Musikblock: Die beiden Streicher präsentierten auch Werke der von den Nazis verfolgten jüdischen Komponisten Zikmund Schul (1916-1944) und Gideon Klein (1919-1945).

Die „Zwei Chassidischen Tänze“ des in Kassel aufgewachsenen Zikmund Schul bewegten als ausdrucksvolle, stilisiert tänzerische Musik. Das unvollendet gebliebene Duett von Gideon Klein war das intensivste und fortschrittlichste Stück des ganzen Abends - 1941 in Prag vor Kleins Deportation nach Theresienstadt entstanden.

Von Georg Pepl

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