Tänzer mit neuer Heimat Kassel

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Ensemble-Mitglieder am Staatstheater: Die Französin Léa Tirabasso und der Kolumbianer René Alejandro Huari Mateus.

Kassel. René Alejandro Huari Mateus war 17, als er dachte, er sei zu alt, um Tänzer zu werden. Der Kolumbianer hatte gerade zum ersten Mal Unterricht genommen und zweifelte an sich: „Ich dachte, ein guter Tänzer muss als Kind angefangen haben.“

Er studierte erst einmal Chemie und wurde ein Nerd, der sich Tag und Nacht mit Formeln beschäftigte.

Heute ist Mateus 31, er hat an der Essener Folkwang-Hochschule Tanz studiert und mit der legendären Choreografin Pina Bausch zusammengearbeitet. Seit eineinhalb Jahren gehört er zum Ensemble des Kasseler Staatstheaters. Sein Weg zeigt, dass es die richtige Formel für Tänzer nicht gibt.

Mit seiner französischen Kollegin Léa Tirabasso hat er drei eigene Choreografien entworfen, die sie Sonntag und Montag im Kulturhaus Dock 4 zeigen. Auch dort geht es darum, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Tirabassos „XX“ beschäftigt sich mit der Rolle der Frauen, während Mateus das Publikum verorten will. „Die Zuschauer sollen den Moment beeinflussen“, sagt der Südamerikaner, der mit einem Stück im März beim Solo-Tanz-Theater-Festival in Stuttgart auftritt.

Kennengelernt haben sich beide, als sie sich im April 2011 bei einem Casting des Kasseler Staatstheaters in Berlin gegen 400 andere Bewerber aus der ganzen Welt durchsetzten. Auch Tirabasso hatte bis dahin einen ungewöhnlichen Weg hinter sich. Die 27-Jährige aus dem Norden Frankreichs studierte erst Literaturwissenschaften, ehe sie am Londoner Institut The Dance eine Ausbildung in Zeitgenössischem Tanz absolvierte.

Beide arbeiteten erst als freie Tänzer. In Kassel lernen sie nun „eine neue Atmosphäre“ kennen: „Acht Stunden am Tag sind wir mit denselben Leuten zusammen. Die Compagnie ist wie eine Familie für uns.“ Ein Familienmitglied wird ebenfalls im Dock 4 zu sehen sein: Die Japanerin Maasa Sakano tanzt in Mateus’ „Hommage to a stolen mechanism“.

Sonntag und Montag, 20 Uhr, Dock 4, Untere Karlsstraße 4, Karten: 0561/787 2067.

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