Das Gitarrenquartett um Larry Coryell begeisterte im Theaterstübchen

Tafelrunde der Jazzgitarristen

Ein Gipfeltreffen: (von links) Larry Coryell, Andreas Dombert, Paulo Morello und Helmut Kagerer. Foto: Schachtschneider

Kassel. Larry Coryell ließ sich während des Konzertes im Theaterstübchen zu keiner Zeit anmerken, dass er schon seit langem einen Platz in der Tafelrunde der Jazzgitarristen einnimmt. Einer edlen Gemeinschaft, deren Mitglieder sich um das Erbe Wes Montgomerys bemühen. Neben ihm zählen Pat Martino, Bireli Lagrene und George Benson zu den bekanntesten Ordensträgern.

Doch auch in der zweiten Reihe tummeln sich Stars und Talente. Mit Andreas Dombert, Paulo Morello und Helmut Kagerer hat Coryell im April dieses Jahres die CD „Nights of Jazz Guitars“ veröffentlicht, und als lupenreines Gitarrenquartett touren sie nun durch die Lande. Der Gestaltung des Songmaterials liegen wohlüberlegte Kompositionstechniken zugrunde und die Gefahr der erstickenden Intellektualität schwebte wie ein Damoklesschwert über der intimen Bühne im Theaterstübchen.

Doch das Quartett versteht es, Idee, Technik und Spielfreude zu einer homogenen Einheit zu verschweißen. „Cookin’ at the Continental“ (Horace Silver) und „Blues for Bireli“ bedienen die Freude am Zigeunerjazz, und mit „Noites Cariocas“ (Jacob do Bandolin) gräbt man sich tief in die brasilianische Musikkultur.

Dass es sich immer noch lohnt, Klassiker aus dem American Songbook zu renovieren, bewiesen die Bearbeitungen von „Blue in Green“ und „All the things you are“. Die Verlagerung der Melodieschwerpunkte, rhythmische Verschiebungen und eine kreative Partituraufteilung beleben die Innenarchitektur abgewohnter Klangräume. Das etwas kryptisch konzipierte „They loved you more in Paris“ und das romantisch verzierte „Koala“ öffneten die Sichtweise für neue Perspektiven im Jazz.

So verschieden die Songs, so unterschiedlich auch die musikalische Artikulation der Musiker. Ruhig und auf Präzision bedacht, bildete Helmut Kagerer den Ruhepol. Larry Coryell versprühte Charisma und bewies nicht nur bei seinem Solostück „Bolero“ (Ravel) Raffinesse und Schnelligkeit. Seine Soli hatten den größten innovativen Radius aller Beteiligten.

Das galt für Andreas Dombert in Bezug auf Harmonien und Akkorde. Dagegen brillierte Paulo Morello mit jenen vertrauten Linien und Grooves, die ein Publikum in Bewegung versetzen. In der Summe ein spannendes und versiertes Quartett, das sich zu Recht erst nach mehreren Zugaben zurückziehen durfte.

Von Andreas Köthe

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