Ausstellung in Münster zeigt Picasso-Leihgaben aus Arles mit Braque-Grafiken

Tagebuch eines Malers

... und „Vogel auf kaminfarbenem Grund“ (1958). Fotos: Museum

Münster. Zwei Freunde, zwei Gründer - drei Schauen: Pablo Picasso (1881-1973) und Georges Braque (1882-1963) begründeten den Kubismus. Das Picasso-Museum Münster zeigt die Werke des Spaniers und des Franzosen als Doppelausstellung. Aber eigentlich sehen die Besucher in der Domstadt drei Schauen. Picasso-Fotografien, geschossen von sieben Künstlern in seiner Wahlheimat in Südfrankreich, sollen die Ausstellung ergänzen. Die Schwarz-Weiß-Bilder aus den Beständen des Museums Réattu in Arles setzen aber einen ganz eigenen Akzent.

Die Fotos zeigen Picasso erst schüchtern vor der Kamera, später inszeniert er sich geschickt selbst. So entstehen intime Momente, manchmal wirken seine Posen aber auch albern und arg gestellt. Die Aufnahme der ersten Begegnung mit seiner letzten Ehefau Jaqueline wirkt rührend. Picasso reicht ihr in einer Gruppe von Menschen eine Zigarette. Der tanzende Picasso in Unterhose dagegen wirkt gestellt.

Den Kern der Doppelausstellung aber bilden 57 Zeichungen von Picasso, die er innerhalb weniger Tage vom 31. Dezember 1970 bis zum 4. Februar 1971 fertigte. Er war so arbeitswütig, dass an einem Abend bis zu acht Werke entstanden. „Er war ein alter Mann. Er malte zu diesem Zeitpunkt wenig, aber wenn, dann sehr schnell“, erklärt Münsters Museumsdirektor Markus Müller. Wie in einem Tagebuch könne der Betrachter in diesen Werken lesen, die Picasso 1971 dem Museum im Süden Frankreichs schenkte. Daher der Name der Ausstellung: „Die Picassos aus Arles - Tagebuch eines Malers“.

Die Zeichungen spiegeln drei Lebensthemen des Spaniers wieder, um die sich sein Werk immer wieder drehte: Harlekin, Künstler und Modell und die drei Musketiere. Dabei entdeckt der Betrachter Anspielungen auf Künstler wie Henri Matisse (1869-1954), Vincent van Gogh (1853-1890) - in Arles soll er sich ein Ohr abgeschnitten haben - und auch Picasso selbst.

„Das Spätwerk ist zum ersten Mal außerhalb Arles zu sehen und vielleicht auch zum letzten Mal. Denn wer gibt schon gerne sein Tafelsilber ab“, sagt Müller. Die Leihgabe aus der Provence verdankt Münster der Wahl Marseilles zur europäischen Kulturhauptstadt 2013. Aus diesem Anlass wird das Museum Réattu im nahegelegenen Arles derzeit grundlegend saniert. Münster bot sich als vorübergehende Bleibe an.

Die Braque-Grafiken gehören zum Fundus in Münster. Dort befinden sich in Deutschland die meisten Werke des Künstlers. Das Picasso-Museum zeigt zu seinem 50. Todestag Höhepunkte unter dem Titel „Von Göttern, Helden und Vogelzeichen“. (dpa)

Bis 28. April, Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, Picassoplatz 1, www.kunstmuseum-picasso-muenster.de

Von Carsten Linnhoff

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