Der Kasseler Cellist Leonard Disselhorst gab ein gefeiertes Konzert

Vom Talent zum Profi

Vielfältig und intelligent: Cellist Leonard Disselhorst wurde von Nikita Kopylov am Klavier begleitet. Foto:  Socher

KASSEL Zum Abschluss des Tags der Offenen Tür im Anthroposophischen Zentrums gab der 20-jährige Leonard Disselhorst am Sonntagabend ein Sonatenkonzert. Der junge Kasseler Cellist schreckt vor nichts zurück: am vergangenen Sonntag im Konzert der hessischen Teilnehmer von „Jugend musiziert“ ein verteufelt schweres Präludium von Cassadó, eine Woche später Schuberts weithin bekannte Arpeggione-Sonate. Mehr als 200 Zuhörer waren gekommen und erlebten einen Musiker, der auf dem Weg vom Talent zum Profi schon weit vorangekommen ist.

Bei Schubert war es, vor allem in den schnellen Sätzen, die technische Beherrschung, die Disselhorst ausspielte. Die hochvirtuosen Passagen in der Daumenlage konnte er sicher vorführen, in der Rhythmik exakt auf die Hundertstelsekunde. Die letzte Sauberkeit in der Intonation ist in Griffweite.

Dass er auch musikalisch intelligent zu gestalten versteht, demonstrierte er zu Beginn mit Robert Schumanns „Adagio und Allegro“ und nach der Pause mit Beethovens C-Dur-Sonate aus op. 102, als er eigene Akzente setzte und das vielschichtige Werk gut nachvollziehbar vorführte, hier wie den ganzen Abend am Klavier souverän begleitet von Nikita Kopylov.

Noch weitere Talente schlummern in dem Cellisten. Mit der Uraufführung eines selbstkomponierten Stücks, bescheiden „Pensiero ritmico“ (Rhythmischer Gedanke) genannt, überraschte er das Publikum. Das Fünfminuten-werk, das mit Jazz und lateinamerikanischer Musik kokettiert, zeigt eine schöne Rundung und viele originelle Ideen. Das gilt auch für Astor Piazzollas „Le grand Tango“, mit dem das Konzert beschlossen wurde und das erneut Gelegenheit bot, cellistische Virtuosität in der Maxipackung zu demonstrieren.

Und noch eine weitere Steigerung gab es zu bestaunen: die als Zugabe gespielte Salonpièce „Am Springbrunnen“ von Karl Dawidow. Dieser Brunnen erwies sich als wahre Kaskade an Schwierigkeiten. Disselhorst und Kopylov sprangen gleichzeitig ins Wasser und tauchten auch gleichzeitig wieder auf - in den üppigen warmen Regen des Beifalls.

Von Johannes Mundry

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