Bayreuth: Dirgent Thomas Hengelbrock und ein Ensemble aus Debütanten

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Intensive Begegnung: Camilla Nylund in der Rolle der Elisabeth und Lars Cleveman als Tannhäuser.

Bayreuth. Mit ähnlich großer Spannung wie Sebastian Baumgartens Regie zu "Tannhäuser" wurde in Bayreuthauch auch das musikalische Konzept von Dirigent Thomas Hengelbrock (53) erwartet

Als Musiker, dessen Karriere als Barock-Spezialist begann, hat er sein musikalisches Spektrum immens erweitert und wird im Herbst als neuer Chef des NDR-Sinfonieorchesters antreten. Für Aufsehen hatte im Vorfeld der „Tannhäuser“-Premiere die Ankündigung gesorgt, dass Hengelbrock aus dem Faksimile einer handschriftlichen Partitur Wagners der frühen „Dresdner Fassung“ dirigieren werde.

Die erwartete neue Klanglichkeit des „Tannhäusers“ blieb allerdings Stückwerk. Ein intensives Farbspiel, transparent, aber mit mächtigem Zug - so gestaltete Hengelbrock die Ouvertüre und ließ an deren Ende das „Störfeuer“ der umspielenden Geigen gegenüber dem Pilgerthema beinahe die Oberhand gewinnen. Einigen wunderbar gestalteten Pianopassagen in der Begleitung Elisabeths stand aber allzu oft ein massiger Orchesterklang gegenüber, der wenig Rücksicht auf die Sänger nahm. Bei den insgesamt langsamen Tempi fehlte es zudem an zupackenden Momenten. Hengelbrock musste sich daher einige Buhs gefallen lassen, während Chordirektor Eberhard Friedrich und der fantastische Festspielchor einmal mehr gefeiert wurden.

Dass Lars Cleveman die mörderische Tannhäuser-Partie ordentlich durchstand, ist ihm zugutezuhalten. Doch klingt seine Tenorstimme leicht gepresst, und er singt wenig textverständlich. Dies fiel besonders im direkten Vergleich mit Michael Nagy auf, der die Partie des Wolfram von Eschenbach mit wunderbar strömendem Bariton und klarer Diktion gestaltete. Mit bärenstarkem Bass ließ Günther Groisböck als Landgraf Hermann aufhorchen.

Ovationen erhielt Camilla Nylund als Elisabeth. Mit ihrer kraftvollen, reich timbrierten Stimme und ihrer ausdrucksvollen Darstellung setzte sie ein Glanzlicht. Ungerecht war dagegen der Buhsturm, der Stephanie Friede empfing, die als Venus mit hochexpressivem Sopran etwas überagierte. Unauffällig präsentierte sich Lothar Odinius als Walther von der Vogelweide, auffällig mit starkem Sopran dagegen Katja Stuber als (stets betrunkener) Hirtenknabe. Insgesamt eine achtbare Leistung dieses Ensembles aus Bayreuth-Debütanten. (w.f.)

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