Ein Tanz aus 1001 Nacht: Johannes Wieland bringt „Scheherazade“ auf Staatstheater-Bühne

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Thematisiert den Geschlechterkampf: Tanzdirektor Johannes Wieland.

Kassel. Es ist eine Pointe der Geschichte, dass „Scheherazade“ ausgerechnet jetzt auf die Bühne des Kasseler Staatstheaters kommt, da die arabische Welt gegen die Tyrannen revoltiert.

In der Geschichte aus Tausendundeiner Nacht wird ebenfalls eine patriarchale Herrschaft aus den Angeln gehoben - nicht per Facebook, aber mit einem Trick, wie bei der Premiere von Johannes Wielands gleichnamigem Stück am Samstag im Staatstheater zu sehen sein wird.

Weil seine Frau ihn mit einem schwarzen Sklaven betrogen hat, heiratet der König Schahrayar jeden Tag eine neue Frau und lässt sie am nächsten Morgen töten - für ihn gibt es keine treuen Frauen mehr. Eines Tages lässt sich seine Tochter Scheherazade ihm zur Frau geben und erzählt dem König in der ersten Nacht eine Geschichte, ohne das Ende zu verraten. Weil der König unbedingt wissen will, wie es ausgeht, lässt er sie am Leben. Nach tausendundeiner Nacht ist er von ihrer Treue überzeugt.

Die politischen Umwälzungen konnte Tanzdirektor Wieland nicht ahnen, als er „Scheherazade“ vor einem Jahr auswählte. Als Solist an der Berliner Staatsoper hat er Mitte der 90er unter dem französischen Choreografen Maurice Béjart das Stück selbst getanzt. Dabei hat er vor allem die Musik von Nikolai Rimski-Korsakow schätzen gelernt. „Überladen und geheimnisvoll“ findet der 43-Jährige dessen sinfonische Suite aus dem Jahr 1888.

Das 40 Minuten lange Werk wird im zweiten Teil vom Staatsorchester unter der Leitung von Marco Comin gespielt. Für den ersten Teil hat Wieland aus Rimski-Korsakows Stücken und iranischen Liedern eine Klanginstallation anfertigen lassen.

Ihn interessiert vor allem der Geschlechterkampf: „Die Männer kommen in Tausendundeiner Nacht nicht so wahnsinnig intelligent rüber.“ Dafür gibt es viele starke Frauen. Eine davon wird von der US-Schauspielerin Beth Griffith dargestellt, die eine von neun Gästen in „Scheherazade“ ist. Insgesamt sind 18 Tänzer auf der Bühne - so viele wie noch nie bei einem Wieland-Stück. Große Geschichten brauchen eine große Besetzung.

Scheherazade: Samstag, 19.30 Uhr, Opernhaus. Eine Kostprobe gibt es am Mittwoch, 19 Uhr, im Opernhaus. Die Einführung beginnt um 18.45 Uhr. Karten: 0561/1094-222.

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