Wie Tanz entsteht: Die Kompanie Offspace gibt Einblick in ihre Arbeiten

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Nsachdenkliche Atmosphäre: Louisa Jacobs beim Auftritt im Dock 4.

Kassel. Welchen Einfluss hat das eigene Handeln auf die Mitmenschen? Wie weit geht die eigene Freiheit? Und was macht die Dominanz eines Einzelnen mit seiner Umgebung? Fragen, mit denen sich die Künstlerinnen der Kompanie Offspace in ihrem Labor auseinandersetzen.

Am Freitag- und Samstagabend luden die Tänzerinnen Louisa Jacobs, Zina Vaessen und Lisa Klingelhöfer im Dock 4 ein, sich bei der Erarbeitung ihrer Stücke über die Schultern schauen zu lassen. Zu sehen waren vier Arbeiten, die als Fragmente oder Performances immer auch das Publikum einbezogen.

Die Arbeit beginnt im Kopf. Das gilt sowohl für die Darsteller als letztlich auch für die Zuschauer. Während Lisa Klingelhöfer zu Beginn mit geschlossenen Augen im Eingangsbereich über ihre Konzepte spricht und damit einen sehr intimen Einblick in ihr Innerstes offenbart, fordert Louisa Jacobs die Zuschauer heraus, die eigene Freiheit auszumessen. Dabei ist das Publikum Teil der Performance.

Über Lautsprecher zählt die Tänzerin eine Fülle an Möglichkeiten auf, die jedes Individuum hat. Diese reichen von alltäglichen Handlungen wie „man könnte die Vorhänge zuziehen“, über absurde Handlungen „man könnte Mehl im ganzen Zimmer verteilen“ bis hin zu der moralisch verwerflichen Möglichkeit „man könnte jemanden töten“. Doch dann gesellt sich Louisa Jacobs selbst in den Kreis der Zuschauer und beginnt sukzessiv ihre Dominanz aufzubauen und auszuspielen. Ein Experiment, welches nicht ohne Nachhall bleibt.

Zina Vaessen setzt in ihren Performances auf die Interaktion zwischen Darsteller und Zuschauer. Wie beeinflusst die Öffentlichkeit das Geschehen auf der Bühne? Und wo verläuft die Grenze zwischen Spiel und Wirklichkeit? Fragen, die ohne Weiteres auch auf jeden anderen Bereich des Lebens übertragbar sind.

Die Versuchsreihe der Kompanie Offspace darf als gelungen bezeichnet werden. Aktion ruft Reaktion hervor und wird über den Abend hinaus noch seine Wirkung entfalten.

Von Kirsten Ammermüller

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