Neu im Kino: Die Doku „La Danse - das Ballett der Pariser Oper“

Der Tanz ist ein Kampf

Perfekte Körper: Der britische Choreograf Wayne McGregor schuf das zeitgenössische Stück „Genus“. Foto: Koolfilm

Einem jungen Dokumentarfilmer hätte man „La Danse - das Ballett der Pariser Oper“ um die Ohren gehauen. In seinem Streifen über eine der berühmtesten Compagnien der Welt, stellt der Altmeister Frederick Wiseman keinen seiner Protagonisten mit Namen oder Funktion vor, es gibt keine Interviews, keinen Off-Kommentar und in 158 Minuten wahrscheinlich weniger Schnitte als in einem dreiminütigen Musik-Clip auf MTV.

„La Danse“ ist ein echter Wiseman. Der US-Amerikaner, der am 1. Januar 81 wird und als Großmeister des beobachtenden Dokumentarfilms gilt, hat all seine 38 Filme auf diese Weise gedreht. Einmal hat er die Arbeit in einem Krankenhaus seiner Heimatstadt Boston dokumentiert. Das Monumentalwerk „Near Death“ dauerte fast sechs Stunden. Dagegen ist „La Danse“ ein Kurzfilm.

Neun Wochen lang drehte er an der Pariser Oper. Ballett-Fans werden sich an den Choreografien von Stars wie Wayne McGregor und Sasha Waltz nicht sattsehen können. Im Vordergrund steht jedoch nicht die Perfektion auf der Bühne, sondern die Arbeit dahinter.

Wiseman zeigt, wie die 150 Tänzer wieder und wieder dieselben Schritte üben. Er blickt in die Schneiderateliers und ist dabei, wenn die resolute Direktorin Brigitte Lefèvre den Künstlern ihre Rentenansprüche erklärt. Der Film beschreibt die Kunst der Tänzer als „Kampf gegen den Verschleiß und den Tod“, wie Wiseman sagt. Der Drill erinnert ihn an eine Armee. Zuschauer, die diese Erkenntnis gewinnen wollen, müssen ebenfalls diszipliniert sein - sonst schlafen sie ein.

Genre: Dokumentation

Ohne Altersbeschränkung

Wertung: !!!::

Von Matthias Lohr

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