Tanz im Museum: Die Choreografische Werkstatt im Fridericianum

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Kassel. Elisabetta Lauro wusste nicht, was sie erwarten würde im Fridericianum. Seit 2004 tanzt sie am Kasseler Staatstheater. Sie stand bei großen Tanzabenden, Operetten und im kleinen tif auf der Bühne, wo die Ensemblemitglieder eigene Stücke zeigen.

Nun zogen sie mit ihrer Choreografischen Werkstatt zum ersten Mal ins Fridericianum um.

„Wir dachten, die Zuschauer würden herumlaufen und vielleicht kurz mal bei uns anhalten“, sagte Lauro später, als sie mit ihrem Partner César Augusto Cuenca Torres die knapp 500 Besucher gefesselt hatte. Keiner der Zuschauer zog weiter. In ihrer Arbeit „Hay un no se que no se donde“ saßen die beiden Tänzer in Eimern, schütteten sich Wasser über den Kopf, ehe sie wie Reptilien durch das Museum krochen und mit ihren nassen Körpern Bilder auf den Boden malten.

„Lehre mich zu leben“, heißt es im Begleittext zu ihrer getanzten Poesie, an deren Ende Torres die zerbrechlich wirkende Lauro auf dem Rücken trägt, als seien sie eins. Den ersten Teil der Choreografie hatte Torres im vergangenen Jahr mit dem damals aus dem Ensemble scheidenden Benjamin Block aufgeführt. Nun war es ein doppelter Abschied: Torres und Lauro, die verheiratet sind, verlassen Kassel nach sieben Jahren.

Einen besseren Abschied hätten sie nicht haben können. Die Werkstatt in der Reihe „Inside Out Late Night“, bei der noch einmal die Ausstellungen von Andro Wekua und Nina Canell zu sehen waren, Schüler der Herderschule ein Kunstmagazin sowie Trickfilmschüler ihre Arbeiten vorstellten, war ein voller Erfolg.

Als Radoslav Piovarci und Ryan Mason in „PG-13“ auf einem Tandem durch die Halle fuhren und zu Klängen von Señor Coconut Freestyle-Tänze aufführten, gab es Szenenapplaus. Einmal kippte zwischen den auf dem Boden hockenden Zuschauern eine Bierflasche um. Aber das störte keinen.

Diese bis spät in die Nacht dauernde Werkstatt mit Club-Musik in der Lounge war ein buntes Happening - so bunt wie das blaue Bett auf dem Friedrichsplatz, auf dem Eva Mohn um 6 Uhr morgens mit einer Performance das Programm eröffnet hatte. Am Ende war Kunsthallenleiter Rein Wolfs müde - aber auch glücklich über die breite Resonanz aus Tanzfans, Kunststudenten und dem klassischen Bildungsbürgertum: „Das kann man wiederholen.“ Damit lag er daneben. Denn dies sollte man unbedingt wiederholen

Noch einmal am 3. Juni. Karten: 0561/1094-222.

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