Die 17 Hippies glänzen auch beim gefühlt hundertsten Auftritt im Kulturzelt

Tanzen im Walzerrausch

Stammgäste im Kasseler Kulturzelt: Die Weltmusik-Band 17 Hippies aus Berlin mit Dirk Trageser (vorn, von links), Kruisko und Kiki Sauer. Foto: Fischer

Kassel. Ein Dreivierteltakt ist eigentlich nichts Besonderes. Ein alter Hut, könnte man meinen, selbst dann, wenn die 17 Hippies ihn durch die Boxen ins Kasseler Kulturzelt schicken. Ist die Berliner Kultband doch zum gefühlt hundertsten Mal da, irgendwann muss es da ja langweilig werden. Weit gefehlt.

Die Hippies wären schließlich nicht die Hippies, würden sie es nicht schaffen, mit ihrem mexikanisch angehauchten Walzer am Sonntagabend erneut zu überraschen. „Damenwahl“, ruft Chef-Hippie Christopher Blenkinsop ins begeisterte Publikum, das sich nicht zweimal bitten lässt und das Zelt kurzerhand in einen vor Leidenschaft knisternden Ballsaal verwandelt. Links herum, rechts herum. Immer und immer wieder.

Die Kasseler tanzen sich in einen regelrechten Hippie-Rausch, getragen von Kerstin Kaernbachs singender Säge und all den anderen Instrumenten ihrer Kollegen. Sie hacken das Brett und blasen die Tuba, dirigiert von Blenkinsop, der mit ungeheuer viel Hingabe seinen Musikerhaufen lenkt und eine Energie ins Zelt bläst, die einfach anstecken muss.

„So hat der Walzer noch nie funktioniert“, freut sich Frontfrau Kiki Sauer, die sich eben auf ihr Kasseler Publikum verlassen kann. Neben ihrer Heimatstadt Berlin haben die Hippies schließlich nirgendwo sonst so häufig gespielt wie hier.

13- oder 14-mal, das hinterlässt Spuren, bei Musikern und Publikum gleichermaßen. An der Fulle fühlen sich die Hippies zu Hause. Das sagen sie nicht nur, sie strahlen es auch aus, von der ersten bis zur letzten Sekunde ihres rund zweistündigen Festes.

Ein zaghaftes Annähern entfällt, direkt geht es auf musikalische Weltreise, wenn Sauer und ihre Mit-Hippies die orientalische Tonleiter rauf- und runterwandeln, Gipsy-Swing und Balkan-Brass in den Zelthimmel schicken und ihre Zuhörer in Endlosschleife verzaubern.

Ständig sind sie in Bewegung, wechseln die Positionen, um jedem Einzelnen der Musikerfamilie einmal die Hauptrolle zu geben. Ukulele, Bouzouki, Akkordeon, Banjo, Klarinette, indisches Harmonium, Flöte, Gitarre, Geige, Trompete und vor allem die Percussions von Hippie-Neuzugang Roman Vicente animieren zum Tanzen, dann wieder zum wilden Auf- und Abspringen.

Da kullern die Schweißtropfen, da trieft die Lebensfreude, bis Kiki Sauer dann doch irgendwann sanft „Adieu“ ins Mikro haucht und ihr Hippievolk nach einem wieder mal besonderen Konzerterlebnis in den Alltag entlässt – bis zum nächsten Jahr.

Von Sascha Hoffmann

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