Tanzoratorium „logos:orfeo“ in der Kirche St. Elisabeth gefeiert

Schattenwelt in der Kirche: Szene aus dem Tanzoratorium „logos:orfeo IV - Rückkehr“ in St. Elisabeth. Foto: Fischer

Kassel. Auf allen vieren schlängelt sich ein schwarz gekleideter Tänzer barfuß mit langen Haaren durch die Besuchermenge vor den Toren der St.-Elisabeth-Kirche. Aus allen Ecken tauchen weitere dunkle Gestalten auf. Die 17 Tänzerinnen und Tänzer des Tanzkollektivs Labyrinthos bahnen sich langsam, zusammen mit den rund 350 Zuschauern, ihren Weg in die Kirche.

Beim Eintritt in die Hallen des imposanten Bauwerks strömt ihnen der Duft von Weihrauch in die Nase. Inmitten von dichten Rauchschwaden vermischen sich Tanzende und Zuschauer und es entsteht eine unnachahmliche Atmosphäre in den heiligen Hallen, die an diesem Pfingstmontag zum Schauplatz des letzten Teils des Tanzoratoriums „logos:orfeo IV - Rückkehr“ wurden.

Unter der künstlerischen Leitung von Matthieu Götz und Thorsten Teubl finden seit Juli 2013 die zyklisch angelegten Tanzperformances an verschiedenen Schauplätzen statt. Auf dem Königsplatz in Kassel, dem Museum für Sepulkralkultur und der Martinskirche begeisterten Labyrinthos mit ihren mystischen Tanzstücken, die sich an der griechischen Sage um Orpheus und Eurydike orientieren.

Die Produktion leiten Manfred Zalfen, der an diesem Abend selbst als Darsteller zu erleben war, und Sofia Scheynkler. Das Tanzkollektiv setzt sich aus professionellen Tänzern und Laien der unterschiedlichsten Altersgruppen zusammen. Und gerade diese Energie der verschiedenen körperlichen Qualitäten verleiht der Performance eine besondere Lebendigkeit. In ihrer Diversität sind sie an diesem Abend alle Individuen eines Schattenvolks der Unterwelt, aus der Orpheus seine Geliebte Eurydike befreien will.

Dämonische Klänge von Violine, Cello und der Bosch-Bornefeld-Orgel, die so einmal mehr an ihrem neuen Standort präsentiert wird, sorgen für die akustische Untermalung des Stücks. Dunkle Schatten werden an den Wänden des Kirchenraums zu monströsen Figuren und symbolisieren, nach der Theaterversion „Schatten (Eurydike sagt)“ von Elfriede Jelinek, welche im Stück zitiert wird, die Position der Eurydike.

Zeitlebens steht die Nymphe im Schatten ihres Mannes und entschließt sich am Schluss, ohne ihn in der Unterwelt zu bleiben: „Das Größte aber ist, nicht zu lieben und nicht geliebt zu werden.“

Mit den letzten Lichtstrahlen des Tages, die den Raum durch die großen Kirchenfenster erhellen, endet die hervorragende Tanzperformance und wird verdient mit minutenlangem Applaus und Standing Ovations belohnt.

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