"Tapferes Schneiderlein": Premiere für Grimm-Musical im Park Schönfeld

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Schräg: Der Hofstaat mit Zofe Isabelle (Annabelle Mierzwa, v. l.), König Harald I. von Fullewasser (Daniele Nonnis), Prinz Eitel (Sven Olaf Denkinger) und Prinzessin Gundula (Inga Jamry) begegnet dem Schneiderlein Anton (Kevin Thiel).

Kassel. Das Märchenmusical "Das tapfere Schneiderlein" hat am Donnerstag im Park Schönfeld Premiere gefeiert. Noch bis Mitte August ist das Stück auf der Seebühne zu sehen und hören.

Ausgerechnet ein wildgewordenes Einhorn verwüstet die Wälder und wird zur Bedrohung für die Menschen? Im Reich von König Harald I. von Fullewasser (toll überkandidelt: Daniele Nonnis) grassieren die Fake-News. Jäger Horst aus dem Forst (Benjamin Beckmann) war einer Falschinformation aufgesessen, aber das tapfere Schneiderlein (Kevin Thiel) kann mit Unterstützung von Zofe Isabell (Annabelle Mierzwa) die Lage regeln. Darauf bricht der König erleichtert in seine Parole aus: „Fullewasser, Fullewasser – hoi hoi hoi“.

Am stärksten ist das Märchenmusical „Das tapfere Schneiderlein“ beim GrimmFestival auf der von Oliver Doerr zu Schloss und Höhle gestalteter Seebühne im Park Schönfeld da, wo es herrlich schräg ist. Wo es auf Witz und die gnadenlose Skurrilität der Figuren setzt. Die ausverkaufte Premiere wurde vom Publikum begeistert gefeiert, obwohl es erst kräftig regnete.

Warum machen sich die Menschen oft größer als sie sind? Oder kleiner? Autor Michael Fajgel spitzt die Handlung wieder auf eine tiefgründige Botschaft zu, wenn er die Geschichte von Schneider Anton erzählt, der sich vom Chef nicht mehr als Versager bezeichnen lassen will, mit seinem Gürtel verkündet, er habe sieben auf einen Streich erlegt, und mutig in die Welt zieht. Das heißt: Mut hat er nicht automatisch, den muss er stets wieder neu erringen. Kevin Thiel spielt diesen Helden liebenswert und mit viel Identifikationskraft.

Premiere: Das tapfere Schneiderlein

Nicht nur muss er sich am Hof bewähren, gegenüber dem Prinzenpaar mit der zickigen Gundula (Inga Jamry mit pastelligen Dreadlocks) und dem arroganten Hubertus (Sven Olaf Denkinger). Er muss zahlreiche Aufgaben meistern, bis er die Dame seines Herzens gewinnen kann. In mehreren Anläufen bringt Regisseur Rüdiger Canalis Wandel die Handlung immer wieder neu in Schwung, einen großen dramatischen Bogen gibt es nicht, dafür ist der Märchenstoff viel zu unkomplex.

Glänzt in drei Rollen: Benjamin Beckmann als Jäger, Einhorn und Riese.

Motor ist der großartige Benjamin Beckmann, der als anstrengend-fröhlicher Jäger Horst, als tumber Riese Klaus und als schüchtern-elegantes Einhorn zu sehen ist. Riet Hannah Bernards Kostüme mit Brokatröcken zu futuristischen Bikerstiefeln vermählen Rokoko und Space Odyssey, Harry Stingls glänzend aufgelegte Band rockt sich von den Beatles über Queen bis zu den Talking Heads. Detailreiche Choreografien bis hin zur Schuhplattel-Andeutung kommen von Loreen Fajgel.

Zu den gesanglichen Höhepunkten zählt das a cappella gesungene „Wo ist der Beweis“ auf Billy Joels „The Longest Time“, Inga Jamrys souliges Solo zu „Stevie Wonders „Don’t You Worry ’Bout a Thing“ – „Jeder hat doch einen Traum“ – und Daniele Nonnis’ Wut-Song auf Michael Jacksons „Bad“, bei dem der Backgroundchor zum eindeutigen Fazit kommt: „Oh Mann, er rastet aus.“

Zeiten und Tickets

Das Stück läuft bis 13. August auf der Seebühne im Park Schönfeld. Aufführungszeiten sind mittwochs bis sonntags, 19.30 Uhr, am Wochenende auch 16 Uhr. Geeignet ab sechs Jahren, Tickets: Theater im Centrum, Akazienweg 24, Tel.: 0561-7018722, www.brueder-grimm-festival.com

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