Welche Bescherung: Das Tamir Hendelman Trio im Theaterstübchen - ein Ausnahmekonzert

Tastensprint mit Melodieschleifen

Kassel. Renommierte Künstler aus der internationalen Jazz- und Blues-Szene sind im Theaterstübchen fast schon an der Tagesordnung. Ein Hochkaräter wie der gebürtige Israeli Tamir Hendelman, der im legendären New Yorker Jazz-Club „Village Vanguard“ Weltstar Barbra Streisand bei ihrem Konzert begleitete, zählt dennoch zu den ganz besonderen Höhepunkten.

Und Hendelmans Bühnenpartner ebenso. Zwei Stars der britischen Jazz-Szene: der schottische Schlagzeuger Tom Gordon und der englische Bassist Andy Cleyndert. Die Bescherung war für die Jazzfreunde also schon am Samstag vor dem Fest perfekt: Ein Ausnahme-Konzert im proppenvollen Theaterstübchen.

Obwohl Hendelman sich gern an Größen wie Bill Evans oder Oscar Peterson orientiert, holt er sich seine Inspirationen „aus der ganzen Welt“. „Destinations“ heißt seine aktuelle CD, auf der er seine große Bandbreite spieltechnischer Möglichkeiten zelebriert - und seinen individuellen Stil. Dass zum Beispiel ein Stück wie „Le Tombeau de Couperin“, so dynamisch geformt und sprudelnd verjazzt, im Ursprung von Maurice Ravel ist, verblüffte und begeisterte zugleich.

Die meisten Stücke legt Hendelman sehr offensiv aus. Eine dynamische Form, Klarheit und ein dezidiert harter Anschlag prägen sein virtuoses Spiel - und Disziplin. Mit seinen Bühnenpartnern, von denen besonders Schlagzeuger Gordon viel Raum zur Entfaltung bekam, harmonierte er prächtig. Und das, obwohl das Trio wenig Proben-Zeit hatte.

Vor der Musik kleine Geschichten: Die Gastfreundlichkeit, die er in Nordkalifornien kennenlernte, inspirierte ihn zum „Israel Waltz“, eine Autobahnbrücke in Brooklyn zu dem Stück „BQE“. Letztgenanntes ist eine wahre Meisterleistung in puncto Tastensprint mit Melodieschleifen. Das Geniale: Jeder einzelne Ton in diesem tonalen Platzregen steht klar und deutlich im Raum. Stürmischer Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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