RAF ist Thema in Stuttgart

"Tatort" am Sonntagabend: Sperrig, anstrengend, aber unbedingt empfehlenswert

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Mit einem Unfall geht alles los: Die Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller, Mitte) und Sebastian Bootz (Felix Klare, rechts) werden gerufen, weil im Kofferraum eine entführte Leiche liegt. Soll ein Mord vertuscht werden?

Kassel. Einen „brisanten Stoff“ kündigte Regisseur Dominik Graf kürzlich beim Kasseler Randfilmfest für seinen nächsten "Tatort" an. Der spielt in Stuttgart und läuft am Sonntag im Ersten.

Worum geht es im „Tatort: Der rote Schatten“?

Der Krimi ist ein Beitrag des Südwestrundfunks (SWR) zu den 40. Jahrestagen des „Deutschen Herbstes“. Er führt, auch anhand von eindrucksvollem Archivmaterial, tief in den leidenschaftlichen Aufruhr und Furor der 68er zurück. Einige Protagonisten dieser Bewegung radikalisierten sich, griffen zu den Waffen, glitten in den Untergrund ab. 

Stuttgart war ein Schauplatz der Roten Armee Fraktion (RAF) – in der Haft im Stadtteil Stammheim nahmen sich Andreas Baader, Jan-Carl Raspe und Gudrun Ensslin am 18. Oktober 1977 das Leben, als die entführte Lufthansa-Maschine „Landshut“ erfolgreich gestürmt worden war.

Und was hat das alles mit einem "Tatort" zu tun?

Dominik Graf

Regisseur Graf, der ein Buch von Raul Grothe umgesetzt hat, verknüpft zwei wahre Begebenheiten zu einer fiktiven: einerseits ein Trio aus RAF-„Rentnern“, das sich durch Raubüberfälle, vermutlich einmal auch in Northeim, finanziert, und zum anderen die Geschichte eines Ex-Terroristen, der seine Lebensgefährtin umgebracht hat. Der Verfassungsschutz hält diesen Fall unter der Decke. Graf sagte neulich in Kassel, das Mädchen, das im Film seine tote Mutter mit dem Täter aus der Badewanne zieht, „gibt es wirklich“.

Dominik-Graf-Filme gelten als sperrig und anstrengend. Ist das diesmal auch so?

Ja, die Ermittlungen von Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) sind kompliziert und verwirrend. Die entscheidende Frage ist: War jener vom Staat geschützte V-Mann, den Hannes Jaenecke als gleichermaßen gehetzte wie kaputte Figur spielt, derjenige, der – statt ihrer Anwälte – den RAF-Anführern ihre Waffen in die Zellen geschmuggelt hat?

Lohnt sich denn das Einschalten?

Wer nur einen Funken Interesse an der Geschichte der RAF hat, sollte sich den Krimi unbedingt ansehen. Auch wenn man sich sehr konzentrieren muss. Schon wie gut es gelingt, anhand der 70er-Jahre-Bilder die damalige allseitige Hysterie in Erinnerung zu rufen, ist bemerkenswert. Zu sehen ist zum Beispiel kurz der damalige Stuttgarter Theaterintendant Claus Peymann, der Geld für Ensslins Zahnbehandlung spendete und dafür angefeindet wurde.

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