„Die Guten und die Bösen“

Tatort aus Frankfurt:  Hannelore Elsner in einer ihrer letzten Rollen

Der Tatort aus Frankfurt: "Die Guten und die Bösen" - ist Polizeiarbeit tatsächlich so simpel?

  • Tatort aus Frankfurt am Sonntag (19.04.2020) um 20.15 Uhr in der ARD.
  • Hannelore Elsner in einer ihrer letzten Rollen.
  • "Die Guten und die Bösen" - ist Polizeiarbeit so simpel?

Update vom 19.04.2020, 23.11 Uhr:

Trotz ihrer überschaubaren Kamerazeit spielte sie im Frankfurter „Tatort: Die Guten und die Bösen“ die Hauptrolle. Es ist einer der letzten Filme der wunderbaren Hannelore Elsner, die vergangenes Jahr gestorben ist. In der Figur der pensionierten Kommissarin Elsa Bronski konnte sie noch einmal glänzen. Es war der Kampf gegen die eigenen Dämonen, der diese zerbrechlich wirkende und getriebene Frau nach ihrer Pensionierung antrieb.

Dämonen, die Paul Brix (Wolfram Koch) und Anna Janneke (Margarita Broich) zwangen, sich ihren Werten als Polizisten zu stellen. „Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches ist mir fremd.“ Ein geflügeltes Wort, das zu der Suche des „Tatorts“ von David Ungureit (Buch) und Petra K. Wagner (Regie) passte. Dieser ließ Raum für Mitgefühl und zeigte, dass Mörder nicht gleich Mörder ist.

Tatort aus Frankfurt: Krimi mit Tiefgang

Wozu dient Bestrafung, fragte Janneke. Im Fall des Kollegen Ansgar Matzerath eine schwierige Frage. Die Ermittler wussten, wofür, aber nicht, warum. Wahrheit war ein seltsames Konstrukt. „Ich bin ein Mörder“, hat aus verschiedenen Mündern eine andere Bedeutung. Dass das Gesetz in seiner Härte zuschlug, darauf bestand Matzerath (Peter Lohmeyer). Besonders gelungen war die Begegnung zwischen Bronski und ihm. „Als Polizist musst du an etwas glauben. Wenn du das nicht tust, dann bist du keiner mehr von uns“, sagte sie – und umarmte ihn. Ein ungewöhnlicher „Tatort“, der in die Tiefe blickte.

Erstmeldung vom Sonntag, 19.04.2020, 19.43 Uhr: „Ihr seid die Guten, und ihr jagt die Bösen“, sagt Fanny (Zazie de Paris) während einer durchzechten Nacht zu den Frankfurter Kriminalhauptkommissaren Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch). Eine klare Definition von Polizeiarbeit. Doch ist es wirklich so simpel?

Tatort aus Frankfurt: Hannelore Elsner als pensionierte Kommissarin

Ein Mann zündet sich in der Dunkelheit eine Zigarette an. Ein anderer sitzt nackt auf einem Stuhl, eine Plastiktüte über dem Kopf. Ein Schäferhund läuft einem Ball nach. Und Hannelore Elsner als pensionierte Kommissarin Elsa Bronski beginnt in einem improvisiert wirkenden Büro alte Akten zu bearbeiten.

Die ersten Szenen des Frankfurter „Tatorts“ „Die Guten und die Bösen“von Petra K. Wagner sind ruhig, bedächtig, gleichzeitig der Beginn von etwas Neuem. Als würde das Altbekannte nicht mehr ausreichen. Das Thema des „Tatorts“. Es geht um das Wertesystem, darum, was einen Polizisten ausmacht und um die Frage, die Philosophen seit Anbeginn beschäftigt: Was ist die Wahrheit? Gibt es die Guten und die Bösen? Welchen Sinn hat Bestrafung?

Tatort aus Frankfurt: Ein Mörder aus den Reihen der Polizei

Die Überzeugungen des Frankfurter Ermittlerduo werden auf die Probe gestellt, als ein Mörder aus den eigenen Reihen auftaucht. Nach eben jener trinkfreudigen Nacht führt ein Kollege und Freund sie zu einem Tatort.

Polizeihauptkommissar Ansgar Matzerath (Peter Lohmeyer) hat den Vergewaltiger seiner Frau gefoltert und ermordet. In jener einsamen Waldhütte, in der dieser vor sieben Jahren seine Frau Helen fünf Tage lang festhielt und vergewaltigte. Ein Fall von Selbstjustiz. Während im Präsidium Umbauten stattfinden, müssen die Kommissare für ihr Verhör improvisieren. 

Tatort aus Frankfurt: Nichts scheint normal zu sein

Sie sitzen auf dem Flur, in verschiedenen Räumen, der Cafeteria. Wasser tropft aus dem baufälligen Gebäude hinab. Ab und zu huscht eine Change-Managerin durchs Bild, die das zwischenmenschliche Zusammensein verbessern möchte. Nichts scheint normal zu sein. Doch nicht nur das stellt sich als Herausforderung dar.

Auch das stoische Beharren des Kollegen auf eine harte Strafe. „Ich bin ein Mörder“, sagt er ruhig. Mitten drin: die ehemalige Kommissarin Elsa Bronski, eine der letzten Rollen der 2019 verstorbenen Hannelore Elsner.

Eine zarte, verbissene Person, die sich, statt ihren Ruhestand zu genießen, im Keller des Präsidiums durch ungelöste Fälle gräbt. „Es gibt immer diesen einen Fall, der einen nicht loslässt, der einen verändert“, sagt sie in einer Szene Janneke. Ihrer ist der Katalysator des „Tatorts“. Elsa Bronski konnte damals den Vergewaltiger von Matzeraths Frau nicht finden. „Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los“, hieß es schon im „Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang von Goethe.

Ein „Tatort“-Star ist nach langer Krankheit in Berlin verstorben. Schauspieler Burkhard Driest wurde 80 Jahre alt. Das Rebellen-Image legte er nie ab.

Rubriklistenbild: © HR/Degeto

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