Und das Handy filmt alles mit

„Tatort“ aus Köln über Mobbing und Homophobie - Clever konstruierter Krimi

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Ihr Schüler Jan ist tot: Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, von links) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) konfrontieren Lehrerin Frau Wessel (lnes Marie Westernströer) mit dem Foto des Leichnams.

Im WDR-"Tatort" wird die Leiche eines Schülers gefunden. Die Ermittler geraten in ein Netz aus Verachtung und Mobbing. Wir klären vorab die wichtigsten Fragen. 

  • Der neue WDR-"Tatort" beschäftigt sich mit den Themen Mobbing und Homophobie
  • Dabei stellen auch die allgegenwärtigen Smartphones ein Problem dar.
  • Auch Homophobie in Migrantenfamilien wird thematisiert. 

Eine heruntergekommene Villa in der Dunkelheit, eine Krähe, eine Blutspur, die zu einem offenen Fenster führt – und eine unbekleidete Leiche an einem See: düsterer Auftakt für den WDR-„Tatort“, den das Erste am Sonntag, 20.15 Uhr, zeigt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Krimi.

Schwuler Abiturient ermordet

Wovon handelt dieser Fall der Kölner Ermittler?

Der Titel „Kein Mitleid, keine Gnade“ trifft es gut: Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J- Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) geraten in ein Netz von Verachtung, Anfeindungen und Mobbing

Der Tote, Jan, war Abiturient des nach dem KZ-Insassen und SPD-Politiker benannten, jedoch fiktiven Robert-Görlinger-Gymnasiums. Und er war schwul

Erstaunlicherweise wird nicht zuerst seine Familie informiert (sie kommt im ganzen Film nicht vor), sondern die Lehrerin, in deren Biologie-Kurs Jan eigentlich eine wichtige Klausur hätte schreiben sollen. Schnell wird deutlich: Die Bestürzung über seinen Tod ist in der Schule nicht gerade groß.

Wieso lässt der Mord die Schüler kalt?

Die Kommissare stoßen auf ein Ausmaß von Homophobie, wie sie sich das gerade im toleranten Köln nicht vorstellen konnten. Einzig Paul (Thomas Prenn) ist verstört, in sich gekehrt – und in seinem Biokurs ebenfalls isoliert. 

Die Ermittlungen werden nicht einfacher, als Schenk in einem Moment mit Nadine (Emma Drogunova) allein ist und sie am Arm festhält. Die Schülerin ruft: „Der hat mich begrapscht!“ Smartphone - Filmchen, die die Ermittler zeigen, landen im Netz, Schenk hat schnell ein Disziplinar- und Ermittlungsverfahren am Hals.

Smartphones und soziale Medien stellen eine Gefahr da

Es geht also auch um die allgegenwärtigen Smartphones?

Ja, Ballauf und Schenk erleben anhand des erfundenen Belästigungsvorwurfs am eigenen Leib, was die sozialen Medien anrichten können, welcher Hass, welche unterschwelligen Bedrohungen sich anonym bahnbrechen. 

Auch Homophobie in Migrantenfamilien wird thematisiert – THW-Rettungssanitäter Farid Slimani (Karim Düzgün Günes), der in der Schule Erste-Hilfe-Kurse gibt, war über eine Datingapp mit Jan verabredet, hat aber panische Angst, sich zu outen.

Ein clever konstruierter Krimi

Ist dieser „Tatort“ damit nicht allzu überfrachtet und belehrend?

Manches mag TV-typisch überzeichnet sein, doch Regisseur Felix Herzogenrath hat einen clever konstruierten Krimi gedreht. 

„In dieser Geschichte findet der Mord im Schutz der Dunkelheit statt. Doch das meiste, was sich ihre Figuren antun, geschieht im Schutz der Öffentlichkeit“, so zitiert der WDR Drehbuchautor Johannes Rotter

Die erfahrenen Kölner Kommissare wirken angesichts der neuen Pranger aus der Zeit gefallen: „Diese Welt ist nicht für uns gemacht“, sagt Ballauf irgendwann.

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