"Tatort"-Kritik: Faber bleibt eine Mistsau

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Tatort: Zahltag

Der Dortmunder "Tatort" spielte im Rocker-Milieu sowie im Kopf von Kommissar Faber und enttäuschte auf hohem Niveau, findet unser Kritiker Matthias Lohr.

Der Dortmunder „Tatort“ war immer mehr als nur ein „Tatort“. Die WDR-Produktion hat das horizontale Erzählen in Deutschlands beliebteste Krimireihe eingeführt. Von der ersten Folge an ging es nie nur um den eigentlichen Fall, sondern auch um Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann), der seine Familie verlor, seitdem gezeichnet ist und den Kollegen das Leben schwer macht.

Nie war das so konsequent umgesetzt wie nun von Faber-Erfinder Jürgen Werner (Drehbuch) und Thomas Jauch (Regie). Und trotzdem fragt man sich, ob diese Geschichte mit „Zahltag“ nicht auserzählt ist.

Kommissar Daniel Kossik (Stefan Konarske), der Faber wegen dessen Ermittlungsmethoden anschwärzte, hat man nun oft genug beim Jammern und Saufen gesehen. Auch von Faber weiß man längst, dass er eine „Mistsau“ bleiben wird, wie es hieß, und im Notfall über Leichen geht. Der interne Ermittler (Milan Peschel), der ihm an den Kragen wollte, kämpfte mit den gleichen Methoden wie er. Er mache nur seine Arbeit, sagte er. Fabers Antwort: „Das haben sie im Dritten Reich auch gesagt.“

In Dortmund hört man immer noch die stärksten Dialoge. Es ist jedoch kein gutes Zeichen, wenn hier nur über Faber geschrieben wird und nicht über den eigentlichen, arg komplizierten Fall, den Mord an einem Rocker. Ständig wurde der Ermittlungsstand zusammengefasst, damit man wenigstens halbwegs den Durchblick behielt. Und die Gang-Mitglieder blieben merkwürdig konturenlos – ganz anders als die Berichte über den Mord an einen echten Biker-Boss am Freitag in Gießen. Manchmal schreibt das echte Leben den spannenderen „Tatort“.

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