Gewalt und Glaubenseifer

Kritik zum Kieler "Tatort - Borowski und das Haus am Meer": Darum ist die Folge nicht gelungen

Als Klaus Borowski: Schauspieler Axel Milberg.
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Als Klaus Borowski: Schauspieler Axel Milberg.

Wie sich Gewalt durch die Generationen einer Familie zieht, zeigt der Kieler "Tatort". Warum die Folge aus dem Norden nicht gelungen ist, verrät unser Kritiker.

Wie extreme Ausschläge eines Pendels – so stellte sich der ideologische Fanatismus im Kieler „Tatort: Borowski und das Haus am Meer“ dar. 

Der Sohn eines Kriegsverbrechers will sich so weit wie möglich vom Nazi-Vater absetzen, tut aber als antiautoritärer Reformpädagoge den ihm anvertrauten Menschen ebenfalls Leid an: genauso starrsinnig, verbohrt, radikal.

Martin Lindow als unerbittlich strenger Pastor

Dessen Sohn wiederum, vom Vater abgelehnt, zerbricht als Pfarrer fast unter der Last seines christlichen Pflichtgefühls, den mittlerweile dementen Hippie-Vater aufnehmen und betreuen zu müssen. Martin Lindow spielte diesen unerbittlich strengen Pastor; die verknöchert-starre Pfarrhaus-Atmosphäre wurde überzeugend deutlich. 

Die Tragik, dass blindwütige Verbissenheit, Glaubenseifer und Neigung zu Gewalt über Generationen transportiert werden, war ein ungewöhnlicher und spannender „Tatort“-Stoff.

Dem Kieler Tatort fehlt die Reibungshitze

Trotzdem lieferte Autor und Regisseur Niki Stein keinen herausragenden Krimi ab. Die Mystery-Momente waren noch Geschmacksache, die Verschränkung der Zeitebenen aber allzu wirr. Der vom Alt-68er-Täter geprügelte „Indianer“, der nun selbst zum Täter wurde, erinnerte an die Klischee-Rothaut einer Schleichfigur. 

Das Ermittlergespann, Axel Milberg als Klaus Borowski und Almila Bagriacik als Mila Sahin, stolperte eher durch den kuriosen Fall, ohne echte innere Beteiligung und auch ohne die für den Kieler „Tatort“ typische Reibungshitze.

Tatort aus Kiel: „Borowski und der Fluch der weißen Möwe“ kann ein Hit werden - ausgestrahlt wird die neueste Folge mit Kommissar Borowski am Sonntag (10.05.2020) um 20.15 in der ARD.

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