Krimi-Kritik

Tatort aus Köln mit Ballauf und Schenk: Vom Krieg um die Kinder

Tatort aus Köln: Eine Jugendamt-Mitarbeiterin wird erschlagen aufgefunden. Die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk ermitteln. Es geht um nicht gezahlten Unterhalt.

  • Tatort aus Köln am Sonntag, 22.03.2020, um 20.15 Uhr in der ARD
  • Jugendamt-Mitarbeiterin wird erschlagen aufgefunden
  • Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk ermitteln

Update vom Sonntag, 22.03.2020, 21.45 Uhr: Der Kölner Tatort mit den Kommissaren Ballauf und Schenk. warf ein Schlaglicht auf einen unangenehmen Job. Hier die Tatort-Kritik zu "Niemals ohne Mich": 

Ein mit „Ich mag mich“ verziertes Lebkuchenherz lag im Büro des Opfers: Monika Fellner, die im WDR- „Tatort“ tot aufgefunden wurde, hatte mit viel Zuneigung von anderen nicht zu rechnen. Die Unterhaltsvorschusskasse im Jugendamt setzt zahlungspflichtige, aber säumige Eltern unter Druck – die Beschäftigten werden deswegen bespuckt, beschimpft und bedroht. Und Fellner war besonders beharrlich.

Der Fall warf ein Schlaglicht auf den unangenehmen Job, Geld für die Staatskasse einzutreiben. Und er bot eine Reihe Verdächtiger auf, denen die Kölner Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) routiniert auf die Pelle rückten.

Tatort aus Köln; Abgründe hinter schmucker Fassade

 Dass das Motiv nicht bei den Eltern zu finden war, die miteinander und mit der Behörde im Clinch lagen, ließ sich ahnen; dass der smarte, fürsorgliche Abteilungsleiter hinter der schmucken Fassade seines Eigenheims und einer heilen Familie Abgründe verbarg, auch.

Trotzdem war der Krimi von Jürgen Werner (Buch) und Nina Wolfrum (Regie) lohnend – vor allem weil er anschaulich machte, wie sehr Kinder leiden, wenn Eltern sie instrumentalisieren und wenn Väter mal da und mal fern sind. Der Schluss war dann ganz „Tatort“-untypisch: Nun schlug ein Vater zu, der verzweifelt um seine Kinder gekämpft hatte. So erschloss sich auch der seltsame „Tatort“-Titel „Niemals ohne mich“.

Originalmeldung vom vom Sonntag, 22.03.2020, 6.00 Uhr: Eine Mitarbeiterin des Jugendamtes wird erschlagen aufgefunden. Die Kölner "Tatort"-Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk ermitteln. Es geht um nicht gezahlten Unterhalt. Lohnt sich das Einschalten?

Tatort aus Köln: Unterhalt ein Thema für das Jugendamt

Unterhaltsvorschusskasse – der bürokratisch-sperrige Begriff klingt nicht nach einem spannenden Krimi-Stoff. Doch der neue Kölner „Tatort: Niemals ohne mich“ am Sonntagabend im Ersten handelt genau davon. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Was sind denn Unterhaltsvorschusszahlungen?

Wenn Elternteile nicht zahlen wollen oder können, springt das Jugendamt ein. Und auch dann, wenn die Väter gar nicht erst bekannt sind. „Sarinas Vater war Fozzy Bär“, behauptet etwa die junge Tülay Firat (Yeliz Simsek), „es war Karneval, er hatte ein Kostüm an.“

Ein gewöhnlicher „Tatort“ verhandelt ja immer auch ein gesellschaftliches Problem. So auch in der Folge von Nina Wolfrum, die ein Buch von „Tatort“-Routinier Jürgen Werner umgesetzt hat: Wir lernen, dass in Deutschland nur jeder vierte Unterhaltspflichtige vollständig zahlt.

Tatort aus Köln: Druck erhöht Rückzahlungsquote

Und warum ist das für diesen „Tatort“ von Bedeutung?

Weil anfangs eine Mitarbeiterin des Jugendamts erschlagen aufgefunden wird. Die Behörde versucht, so viel Geld wie möglich von säumigen Vätern einzutreiben. Wenn Druck ausgeübt wird, erhöht das die Rückzahlungsquote. Das Opfer, die 38-jährige Monika Fellner (Melanie Straub), galt als besonders verbissen und hartnäckig. Sie verfolgte die Schuldner wie ein Detektiv, stapelte Akten zu Hause, kurz: Sie hatte den Ruf eines Bullterriers.

Und wer gerät unter Verdacht?

In den ersten Minuten erleben wir zwei Väter, die sich von Fellner verfolgt fühlen. Ein Dachdecker, der seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt, stößt sie fast von der Baustelle vor beeindruckender Domkulisse, ein anderer, der durch den erbitterten Streit mit seiner Ex-Frau sein Leben zerstört sieht, geht im Büro auf sie los. Fellner filmt, wie er sie angreift. Später löscht ihre Kollegin den Schnipsel. Warum?

Tatort aus Köln: Klassische Ermittlerarbeit beim Krieg der Eltern

Und wie schlagen sich die Kommissare?

Sie leisten ganz klassische Ermittlerarbeit. „Nach all den Jahren trau ich jedem alles zu“, sagt Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) irgendwann. Dürfen die Beschäftigten angesichts der Nöte ihrer Klienten mal ein Auge zudrücken? Nein, sagt Ballauf, es könne sich nicht jeder eigene Regeln machen. Ja, sagt Kollege Freddy Schenk (Dietmar Bär), vor allem weil unter dem Krieg der Eltern am meisten diejenigen leiden, die nichts dafür können: die Kinder.

Lohnt sich das Einschalten?

Ja, „Niemals ohne mich“ ist ein konventioneller, aber kein schlechter „Tatort“.

Tatort aus Köln: Ballauf und Schenk ermitteln

Die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk ermittelten auch in anderen Fällen: In einem anderen "Tatort" aus Köln wird die Leiche eines Schülers gefunden. Dabei geraten die Ermittler in ein Netz aus Verachtung und Mobbing.

Ein gespenstisches Bild einer Jugend ohne jede Empathie, selbstbezogen, allein gelassen und emotional verwahrlost, zeichnet der „Tatort“ aus Köln, findet unser Kritiker.

Rubriklistenbild: © WDR/Martin Valentin Menke

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