Tatort-Kritik: Allein auf weiter Flur

Die Hannoveraner Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) fällt in doppelter Weise aus der „Tatort“-Reihe: Die Rolle einer LKA-Ermittlerin bietet ihr zwar größte Flexibilität mit stets wechselnden Schauplätzen und Kollegen.

Doch ihr Sohn, inzwischen vier Jahre alt, engt die dramaturgischen Freiheiten für die allein erziehende Mutter aber gleichzeitig wieder ein.

Im Fall „Der letzte Patient“ kamen sich beide Aspekte in die Quere - nicht nur zum Vorteil der Zuschauer. Lindholm war, im Stich gelassen von WG-Mitbewohner Martin, eine überforderte Mutter mit schlechtem Gewissen, die sich allein auf weiter Flur fühlte.

Dass ihre Kollegin diesmal eine nervige Vorzeigemutti war und sie im aktuellen Fall schlimme Demütigungen und Misshandlungen an Pflegekindern aufzudecken hatte, verstärkte ihre angegriffene Gefühlslage nur. Andererseits scheute sie sich als taffer Profi natürlich nicht, rückhaltlos selbst den eigenen Chef ins Visier zu nehmen. All das war ein bisschen zu viel und zu konstruiert in diesem routinierten NDR-„Tatort“.

Wie wohl künftige Autoren die Konstellation, in die Friedemann Fromm (Buch und Regie) die Kommissarin manövrierte, auflösen? Ob ihr Junge irgendwann aus dem „Tatort“ geschrieben wird? Oder ob Freund Martin zurückkehrt und sich Lindholm wieder mit aller Kraft dem Kampf gegen das Böse widmet?

Von Mark-Christian von Busse

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