Unaufgeregt, sehenswert

Tatort-Kritik: Ein Glanzstück aus Berlin

Der "Tatort" aus Berlin behandelte Jugendgewalt, Zivilcourage und öffentliche Überwachung unaufgeregt - und war gerade deshalb sehenswert. Eine Kritik von HNA-Kulturredakteur Matthias Lohr.

Das Gesicht von Felix Stark (Boris Aljinovic) sieht immer ein bisschen aus, als hätte der Berliner „Tatort“-Kommissar drei Tage nicht geschlafen oder als sei er einfach nur müde vom Bösen in dieser Welt. Das war auch in „Gegen den Kopf“ nicht anders. Als Zuschauer wäre man bei dem tollen RBB-Krimi aber selbst nach drei schlaflosen Nächten nicht eingenickt.

Regisseur und Autor Stephan Wagner lieferte ein unaufgeregtes TV-Glanzstück über Jugendgewalt mit aktuellen Bezügen. Zwei Jugendliche pöbelten in der U-Bahn einen Rentner an und traten den Mann zu Tode, der als Einziger Zivilcourage gezeigt hatte. „Zu meiner Zeit hat man aufgehört zu schlagen, wenn ein Mensch am Boden lag“, sagte Starks ebenfalls ratloser Kollege Till Ritter (Dominic Raacke).

Die Folge wurde wenige Wochen nach dem Tod von Jonny K. auf dem Berliner Alexanderplatz gedreht. Der Fall erinnerte an den von Dominik Brunner in München. Auch die Frage, ob Überwachung wirklich mehr Sicherheit bringt, wurde behandelt. Und selten hat man Beamte so intensiv bei der Polizeiarbeit sehen können.

Neben Starks müdem Gesicht blieb am Ende vor allem das Grinsen des Täters im Kopf, der auf die Frage nach dem Warum antwortete: "Es gibt keinen Grund."

Von Matthias Lohr

Rubriklistenbild: © rbb/Frédéric Batier

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.