"Tatort"-Kritik: Kaputte Typen in Wien

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In "Sternschnuppe" witzelten die Wiener "Tatort"-Ermittler übers Schnackseln. Zugleich ging es um kaputte Existenzen in der Musikbranche. Keine schlechte Mischung, findet Matthias Lohr.

Es ist ein ziemlicher Schmarrn, dass der ORF gerade jetzt einen „Tatort“ über das angeblich so schwierige österreichische Musikgeschäft drehen ließ, da Wiener Bands wie Wanda und Bilderbuch überall als die neuen Beatles gefeiert werden. Es ist auch lästig, wenn Krimis voller Klischees sind. Etwa wenn die Witwe eines ultrafiesen Musikmanagers nicht über ihren beim Sex gestorbenen Mann weint, sondern erst in Tränen ausbricht, als sie an das Finale der Castingshow denkt, deren Kopf der Pop-Mogul war.

Andererseits ist das Leben oft auch ein Klischee. Warum sollten Michi Riebl (Regie) und Uli Brée (Buch) ihre Figuren also nicht überzeichnen? Der konventionelle und doch überzeugende Krimi zeigte eindrucksvoll, dass es bei Castingshows nur Verlierer gibt. Selbst die Gewinner werden in die Mülltonne des Lebens geworfen.

Gelogen wird natürlich auch. „Sorry, wir sind hier beim Privatfernsehen und nicht bei der Caritas“, sagte eine TV-Redakteurin aus dem Klischeebilderbuch. Und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) sowie Bibi Fellner (Adele Neuhauser) sind halt keine echten Polizisten, sondern nur TV-Ermittler, weshalb sie sich ständig über ihr Liebesleben unterhalten müssen – völlig überzeichnet, aber das mit Charme. Nebenbei gab es noch Wiener Weisheiten. „Wieso haben wir immer mit so kaputten Typen zu tun?“, fragte Fellner. „Wenn die Typen nicht so kaputt wären“, so Eisner, „wäre keiner tot."

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