Borowski und eine Frage von reinem Geschmack

Tatort-Kritik: Kein klares Gut-Böse

Kassel. HNA-Kulturredakteurin Bettina Fraschke kommentiert den Kieler „Tatort“: Man konnte sich durchaus beschämt an die eigene Nase fassen: Eine simple Milchplörre kam im „Tatort:Borowski und eine Frage von reinem Geschmack“ ins schicke Fläschchen, wurde wellnessmäßig „Vitanale“ genannt und giftgelb eingefärbt.

Die Farbe hat keinerlei Funktion, lässt das Gemisch nur nach „Energie“ aussehen. Und dann wird’s prompt gekauft.

Verbraucher wollen sich halt ihrer Gesundheits-Illusion hingeben. Eine spannende Geschichte boten die Autoren Kai Hafemeister, Christoph Silber und Thorsten Wettcke mit Regisseur Florian Froschmayer. Dicht, facettenreich und mit angenehm wenig Kommissar-Marotten.

Der Fall um den toten Jungen wuchs sich schnell zum Wirtschaftskrimi aus, wo es um zwielichtige Gutachter, den Konflikt zwischen traditionellem Familienbetrieb und modernem Konzern und den Guerilla-Einsatz von Ernährungsaktivisten ging. Gut aufgebaut, gut gemacht. Weitere Stärke: Es gab kein klares Gut-Böse-Schema, auch der Ökobauer oder der Kämpfer gegen Lebensmittelpanschereien kamen durchaus nicht makellos rüber. Das Handeln der Molkereichefin war ebenfalls nachvollziehbar. Und man freut sich auf Sibell Kekillis weiteren Einsatz.

Kritikpunkte wären einzig die Momente, wo die Texte sich arg nach Biounterricht anhörten, und die ARD-Selbstbeweihräucherung mit Beckmanns Sendung. fra@hna.de

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