Matthias Lohr über den Tatort aus Wien

Tatort-Kritik: Keiner ist makellos

Der Wiener „Tatort“ ist schon immer ein guter Grund gewesen, Fremdsprachen wie Österreichisch zu lernen. Neben Hauptkommissar Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) grantelte sich Inspektor Bernhard Weiler (Heribert Sasse) im Wiener Hardcore-Schmäh durch die Fälle, sodass man als Deutscher ohne Untertitel nur Bahnhof verstand.

In der gestrigen von Nikolaus Leytner inszenierten Folge „Operation Hiob“ verabschiedete sich der etwas abgehalfterte Weiler in den Ruhestand, hatte aber noch einmal einen großen Auftritt und sprach plötzlich ganz klar. Er habe alles gesehen in seinem Polizistenleben, aber jetzt fühle er sich dem nicht mehr gewachsen, sagte er und fragte seinen Chef: „Wenn wir so super sind, warum werden die Zeiten nicht besser?“

Das war eine gute Frage, denn so schlecht wie diesmal ging es Eisner selten. In der klug konstruierten Geschichte von Autor Max Gruber musste er brutale Morde aufklären, gegen ein europaweites Drogensyndikat ermitteln und um das Leben seiner Tochter bangen. Die entscheidende Spur in einem „Mistwoagn“, wie Wiener ein Müllauto nennen, fand passenderweise der alte Weiler.

Den schönsten Satz sagte indes ein Mann mit osteuropäischem Akzent, der Eisner einen Kühlschrank zweiter Wahl verkaufte: „Das Leben ist nicht makellos, wir haben alle kleine Kratzer.“ Den Makel, dass man nicht alles versteht, nimmt man bei guten „Tatort“-Folgen gern in Kauf.

Von Matthias Lohr

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