"Tatort"-Kritik: Mit Kopfschmerzen in die Sommerpause

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Sowohl bei den Quoten als auch im Kritikerurteil ist der Schweizer "Tatort" das Sorgenkind der ARD-Krimireihe. Die Folge "Schutzlos" bot einen interessanten Plot um Flüchtlinge, aber auch viel Mittelmaß. Nun ist Sommerpause - Gott sei Dank, findet Matthias Lohr.

Seit sieben Folgen heißt es nach fast jedem Luzerner „Tatort“, die Fälle seien hanebüchen und Kommissar Reto Flückiger habe zu wenig Ecken und Kanten. Für den achten Fall „Schutzlos“ hatte sich das Schweizer Fernsehen mit Regisseur und Drehbuchautor Manuel Flurin Hendry darum etwas einfallen lassen. Der von Stefan Gubser gespielte Flückiger wohnte zwar weiterhin auf einem Hausboot, trug nun aber Bart und hatte wahnsinnige Kopfschmerzen.

Andere „Tatort“-Kommissare sprechen mit ihren Gehirntumoren, so etwas muss unseren Mann auch interessanter machen, haben sich die Eidgenossen womöglich gesagt. Gott sei Dank war es nur Migräne.

Die Geschichte, die Hendry erzählte, war brandaktuell. Es ging um nigerianische Asylbewerber, die Abschottung der Festung Europa, Drogenkriminalität und Vorurteile. Die Ästhetik der verwackelten Handkamerabilder war anspruchsvoll und der Soundtrack von The Notwist herausragend.

Aber dann krankte dieser „Tatort“ wieder an den üblichen Symptomen. Die Junkies redeten, als würde Comedian Oliver Pocher „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ nachspielen. Regierungsrat Mattmann ist ein Klischee gewordenes Abziehbild eines herzlosen Technokraten, dass man fast Kopfschmerzen bekommt. Und Flückiger sowie seine Kollegin Liz Ritschard (Delia Mayer) mussten immer wieder die Handlung nacherzählen. Es ist kein gutes Zeichen, wenn ein Regisseur seinen Bildern nicht traut.

Den „Tatort“ haben die Schweizer nicht erfunden. Trotzdem dürfen sie gleich nach der Sommerpause wieder ran: Mit der Folge „Sniper“ geht es am 6. September in die neue Saison. Bis dahin haben „Tatort“-Fans Zeit, sich von viel Sonntagabendkrimi-Mittelmaß zu erholen.

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