Mark-Christian von Busse zum Frankfurter "Tatort"

Tatort-Kritik: Lauter Extreme

Der "Tatort" aus Frankfurt dürfte heute wieder in Frühstückspausen und Kantinen für Diskussionen sorgen - nicht nur, weil er selten drastisch die Arbeit in der Pathologie zeigte. Lars Kraume (Buch und Regie) entschied sich für lauter Extreme.

Auch seine Ermittler zeichnet er radikal: Den Eigenbrötler Frank Steier (Joachim Król), der seine Nächte mit viel Rotwein im Büro verbringt, als Muffelkopf mit Neigung zum Kotzbrocken, Conny Mey (Nina Kunzendorf) als ebenso extrovertiert wie zielstrebig. Sie ging mit einem schnöseligen Major der Feldjäger (eine Paraderolle für Benno Fürmann) ins Bett, auch damit er ihr Neues vom Fall verriet.

Vor allem aber war "Der Tote im Zug" in allen Belangen extrem gut: Der packende Fall über Betrug bei der Bundeswehr und Drogenhandel ungewöhnlich, die Spannung enorm, die Schauspieler hervorragend. Armin Alkers Kamera fing besondere Bilder ein, Regisseur Kraume fand einen eigenen Rhythmus mit Rückblenden, viel Action und ruhigen Momenten. Ganz stark, wie die Hauptkommissare im Zug geduldig die entscheidenden Minuten rekonstruierten.

Zu Unrecht musste man befürchten, das Frankfurter Ermittler-Duo Andrea Sawatzki/Jörg Schüttauf wäre kaum angemessen zu ersetzen. Der Hessische Rundfunk hat beim "Tatort" einen exzellenten Lauf. Am Ende ließen Steier und Mey eine Tatwaffe in den Main fallen. Auch dieses Ende: ein Extrem.

vbs@hna.de

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