Tatort-Kritik: "Lieber genial als normal"

Gleich zu Beginn seines letzten Falls brachte Cenk Batu (Mehmet Kurtulus) das Wesen des Hamburger „Tatort“ auf den Punkt. „Ich bin nicht gemacht für eine normale Beziehung“, sagte der verdeckte Ermittler zu seiner Freundin Gloria (Anna Bederke).

Auch für einen normalen Krimi war Kurtulus’ Kommissar nie gemacht. In den vergangenen vier Jahren bot der Undercover-Mann anspruchsvolle Unterhaltung, fuhr aber auch mit die schwächsten Quoten aller „Tatort“-Kollegen ein.     

Kurtulus in seinem letzten "Tatort"-Einsatz.

„Die Ballade von Cenk und Valerie“, mit der Autor und Regisseur Matthias Glasner Batu im doppelten Sinn beerdigte, bot das passende Finale. Die Geschichte um Zombie-Banker und Spekulationsgeschäfte war genial durchgeknallt. Ein „Tatort“ muss eben nicht immer realistisch sein. Die überdrehte Kapitalismuskritik erinnerte an Hans Weingartners „Die fetten Jahre sind vorbei“. Und dann steckte Batu ähnlich im Dilemma wie der Superagent Jack Bauer aus der US-Serie „24“: Um das Leben seiner Freundin zu retten, sollte er den Bundeskanzler ermorden.

Der eiskalte Engel, der sich die Wahnsinnstat ausgedacht hatte, wurde von Corinna Harfouch grandios gespielt.     Die Geschichte wäre nur noch zu steigern, wenn Batu von den Toten zurück auf den Bildschirm finden und uns so Til Schweiger als Nachfolger ersparen würde.

Von Matthias Lohr

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