Tatort-Kritik: Münster darf das!

Münster ist anders: München, Hamburg, Berlin, Leipzig, Köln - auch dort wird allsonntäglich gemordet und ermittelt – aber nirgendwo so unorthodox wie im katholischen Münster. Die westfälische Stadt ist im föderal geordneten Tatort-Kosmos eine singuläre Erscheinung.

 Weniger wegen ihrer touristischen Reize, sondern vielmehr wegen des schrägen Ermittlerduos Thiel (Axel Prahl) und Rechtsmediziner Prof. Boerne (Jan Josef Liefers). Gehörte Klamauk seit jeher zum Konzept der WDR-Produktion, sind frotzeliger Schlagabtausch und Slapstick in der aktuellen Folge „Der Fluch der Mumie“ auf die Spitze getrieben.

Den Fund einer vermeintlich 2500 Jahre alten Mumie mit einem frischen Mord an einem Justizvollzugsbeamten in 90 Minuten zu verquicken, dazu ist schon viel Wille zur Konstruktion nötig. Auch dass sich die humorigen Sticheleien zwischen Thiel und Boerne wie die fettigen Haare des Letzteren durch die Geschichte ziehen, ist gewöhnungsbedürftig - zumal die Spannung dabei völlig auf der Strecke bleibt. Doch all das ist zu verzeihen.

Denn Prahl und Liefers spielen das stereotyp gezeichnete Duo eines kauzigen Kommissars und eines narzisstischen Mediziners wunderbar unterhaltsam. Auch das darf ein Tatort mal sein - zumal es nächsten Sonntag in Köln wieder ernst wird.

Von Bastian Ludwig

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