SWR-Krimi

"Tatort"-Kritik: "Der rote  Schatten" stellt unbequeme Fragen

+
War mal linksradikal: Thorsten Lannert (Richy Müller, links) mit seinem Partner Sebastian Bootz (Felix Klare) im Tatort "Der rote Schatten".

Mark-Christian von Busse blickt auf einen düsteren Stuttgarter "Tatort", der den RAF-Terror des "Deutschen Herbstes" wieder ins Jahr 2017 zurückholt.

Dieser ausgezeichnete SWR-„Tatort: Der rote Schatten“ war in allen Belangen ein typischer Dominik-Graf-Krimi. Filme des Münchner Regisseurs („Im Angesicht des Verbrechens“, „Die geliebten Schwestern“) sind geprägt durch eine direkte, sehr unmittelbare Erzählweise, schnelle Schnitte, visuelle Experimente und oft durch eine melancholische Atmosphäre, als trügen sie einen Trauerflor. Das fordert die Zuschauer, und wer am Sonntagabend während der Ausstrahlung auch nur ein Bier aus dem Kühlschrank geholt haben sollte, war vermutlich raus.

Wie Graf nach einem Drehbuch von Raul Grothe die Schatten des RAF-Terrorismus der fiebrigen, roten 70er aufs Stuttgart des Jahres 2017 fallen ließ, war andererseits genial gemacht. Rhythmus- und Tempowechsel, Zeitsprünge, Einschübe, Verweise, Wiederholungen – all die so präzisen wie scheinbar beiläufigen filmischen Mittel, die eine nervöse Unruhe bewirken, beherrscht Graf wie kein anderer.

Dass auch Kommissar Thorsten Lannert (Richy Müller), der mit seinem Kollegen Sebastian Bootz (Felix Klare) so umsichtig wie hartnäckig ermittelte, eine linksradikale Vergangenheit gestand, war vielleicht überflüssig. Dass dieser „Tatort“ 40 Jahre nach dem brutalen, hasserfüllten „Deutschen Herbst“ die Auseinandersetzung mit der RAF erneuerte und unbequeme, ungeklärte Fragen thematisierte, war es nicht. Eine lautet, auch heute: Was darf der Staat?

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.