"Tatort"-Kritik: Das Schwein ist eigentlich der Mensch

Um Massentierhaltung und Billigfleisch ging es im "Tatort" mit Maria Furtwängler als LKA-Ermittlerin Charlotte Lindholm. Mark-Christian von Busse über den Krimi vom NDR.

Zwei Jahre mussten Maria-Furtwängler-Fans auf den 22. „Tatort“ mit der Einzelkämpferin vom LKA Hannover warten. Jetzt ermittelte die 48-Jährige nach ungewöhnlich langer Pause wieder als Charlotte Lindholm, diesmal zwischen Vechta und Cloppenburg in einer Region, die von Fleischfabriken geprägt ist. Die wahren Schweine, das machte der sehr moralische Krimi „Der sanfte Tod“ hinreichend deutlich, sind natürlich die Menschen: skrupel- und rücksichtslos, ob gegenüber Bediensteten oder bulgarischen Dumping-Arbeitskräften. Tiere zählen sowieso nur als Billigfleisch.

Alexander Adolph (Buch und Regie) machte es offenkundig Vergnügen, das mit dem Weichzeichner gemalte vermeintliche „Landlust“-Werbe-Idyll zu demontieren. Hauptdarsteller Heino Ferch als Fleischproduzent Landmann zeigte großartig unterschiedliche Gesichter: gewinnenden Charme und fiese Härte. Tatja Seibt glänzte als seine herrische Mutter, die vom "knubbernden Asiaten" und der Vorliebe des Afrikaners für den Schweinebauch schwadronierte. Bibiana Beglau, die Theater-Schauspielerin des Jahres, gab die verspannte, nervöse Provinz-Ermittlern. Tolle Sparring-Partner also für Furtwängler, auf deren Alleingänge der auch in den Details aufmerksame Film (erlesene Bilder, ungewöhnlicher Soundtrack) ganz zugeschnitten war. Der Ausgang blieb raffiniert in der Schwebe. Nur das Lindholm-Dauerthema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ wirkte arg pflichtbewusst-bemüht.

Rubriklistenbild: © dpa

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