Mark-Christian von Busse über die Folge "Machtlos"

Tatort-Kritik: Unerbittlich, eiskalt

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Edgar Selge als Entführer Uwe Braun (linke) und Dominic Raacke als Kriminalhauptkommissar Till Ritter in dem Tatort "Machtlos" von Klaus Kraemer.

Das war jede Menge „Tatort“ über die Feiertage. Teams aus Frankfurt, München, Köln ermittelten. Autor und Regisseur Klaus Krämer jedoch hat der Krimireihe für den RBB mit dem Fall „Machtlos“ am Sonntag eine weitere, völlig neue Facette gegeben.

Der Entführer eines achtjährigen Bankierssohn stand schnell fest, mit den Eltern bangte man am Bildschirm um sein Überleben. Die Verhörszenen ließen immerzu an den 2002 getöteten Jakob von Metzler denken: Was können, dürfen Kommissare tun, damit ein Täter den Aufenthaltsort seines womöglich elendig krepierenden Opfers preisgibt?

Die Konstellation Daschner-Gäfgen, die deutsche Rechtsgeschichte geschrieben hat, deklinierten hier die Ermittler Ritter und Stark (Dominic Raacke, Boris Aljinovic) und Edgar Selge als Entführer durch. Er zeigte im Verhörraum eine einzige menschliche Regung, als er die Hand nach Sohn Michael - Selges Sohn Jakob Walser - ausstreckte.

Wie der 64-Jährige den abgekapselten Fanatiker spielte, eiskalt, unerbittlich, verbohrt, hatte große Klasse. Sein Uwe Braun traf auf Kommissare, die Kontrolle und Nerven behielten, konzentriert zu Werke gingen. Da war kein Raum für private Mätzchen.

Dieser starke, ungewöhnliche „Tatort“ gab Einblick in die zähe, zermürbende Polizeiarbeit. Sie besteht auch aus Warten. Und Aushaltenmüssen.

Von Mark-Christian von Busse

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