Pointe wichtiger als der Plot

"Tatort"-Kritik: Verrücktes Münster

+
Verrücktes Münster: Die Ermittler Thiel und Boerne frotzeln, wie es die Fans des Münster-Tatorts lieben

Auch in "Schwanensee" frotzelten Thiel und Boerne so, wie es die Fans des Münster-"Tatorts" lieben. Die Pointen waren mal wieder wichtiger als der Plot - das ist schade, findet unser Kritiker Matthias Lohr.

Auch diesen Münster-„Tatort“ wird man bald vergessen haben. Seit Jahren fahren Frank Thiel (Axel Prahl) und Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) Rekordquoten ein. In den Schmunzelkrimis frotzeln sie so gekonnt miteinander, dass sie das längst auch in der Autowerbung tun dürfen. Die Pointe ist in Münster immer wichtiger als der Plot, was schade ist.

Das war auch in „Schwanensee“ so, weshalb man über die Geschichte um eine tote Frau, die in einem psychiatrischen Therapiezentrum ermordet wurde, nicht viele Worte verlieren muss. Die Autoren Christoph Silber und Thorsten Wettcke, die das Buch mit Regisseur André Erkau schrieben, sorgten auch diesmal für hübsche Szenen: Boerne schreitet wie einst Ekel Alfred im Taucheranzug durchs Wohnzimmer – zudem noch zu Wagners „Walkürenritt“. Thiel wird fast verrückt, als ein Zwangsneurotiker die Lage seines Handys auf dem Tisch korrigiert. Damit man bei all den Späßen die Suche nach dem Mörder nicht aus den Augen verliert, muss ständig die Handlung erklärt werden. 

Über den Fall, der bald zum Steuerskandal wird, sagt die Staatsanwältin: „Wir sind doch in Münster. Da passiert so was nicht.“ Aber genau das ist der Münster-„Tatort“: Hier passiert nichts Wichtiges, und am Ende hat man doch nicht das Gefühl, 90 Minuten verschwendet zu haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.