Jan Baetz zum „Tatort: Glaube, Liebe, Tod“

Tatort-Kritik: Zwielichtige Verheißung

Beklemmend war dieser „Tatort“ aus Wien und düster. Viele Szenen spielten sich im diffusen Zwielicht ab. Eine Metapher für die allgegenwärtige und doch nicht greifbare Bedrohung, die von der Sekte Epitarsis ausgeht.

Gut vernetzt ist die Organisation, die sich als „Kirche“ versteht. Der ORF ging nicht so weit, die real existierende Glaubensgemeinschaft Scientology beim Namen zu nennen. Das brauchte er aber auch nicht. Die Gehirnwäsche, die absolute Unterwerfung, die völlig überteuerten Kursgebühren - die Gemeinsamkeitenwaren offensichtlich.

Um es bei den Ermittlungen um die tote Anna Kaber mit den aalglatten Sekten-Rhetorikern aufnehmen zu können, brauchte es einen wie Hauptkommissar Eisner - und einen wie Harald Krassnitzer, der ihn spielte. Stoisch, bärbeißig, grundsolide - und cool. Eisner, ein pragmatischer Mann wie ein Fels, der erst persönlich gereizt und emotional wurde, als sich Epitarsis an seine Tochter heranmachte. Michael Riebls „Glaube, Liebe, Tod“ war kein Krimi, der den Zuschauer permanent in Atem hielt. Wer überraschende Handlungsumschwünge und Verfolgungsjagden erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Aber der Film porträtierte feinsinnig, wie zermürbend das Eindringen in eine verfassungsfeindliche Gesinnungsgemeinschaft ist, deren Macht sich in erster Linie aus einer verführerischen Verheißungsrhetorik speist.

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