Kloßkönig endet als Granulat

Tatort "Die robuste Roswita": Wenig plausibel, aber irre komisch

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Ermitteln mit viel Wortwitz: Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen).

Die MDR-Krimis mit Nora Tschirner und Christian Ulmen sind wenig plausibel, aber irre komisch. So auch diesmal, wie unser Kritiker findet. 

Schon der vielversprechende Vorspann des MDR-„Tatorts: Die robuste Roswita“ hatte es in sich: Der Weg von Kartoffeln im Feld zu Klößen in der Fabrik mündete, illustriert mit einem blutbespritzten Messer und dickflüssiger Soße, zuletzt in einen Unfall mit Fahrerflucht im Wald (Bildgestaltung: Robert Berghoff). Die feine Präzision dieses Auftakts sollte den Krimi prägen, bei dem Regisseur Richard Huber ein Buch von Andreas Pflüger und Murmel Clausen umsetzte.

Auch in den aberwitzigen Details (ein Kloß mit Altenburger Milbenkäse) und ausgefuchsten Dialogen („per Du seit der Schule, aber jetzt: alles perdu“) hielt dieser siebte Weimarer Fall die gewohnte Klasse.

Ermitteln mit viel Wortwitz: Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen).

Was die Plausibiliät betrifft, darf man bei den gewieften Thüringer Ermittlern nicht so genau hinschauen. Besserwisser Lessing (Christian Ulmen), der von Pausanias’ Thronbesteigung in Makedonien 393 v. Chr. schwadronierte und Rousseau zitierte, und seine bodenständige Ehefrau Kira Dorn (Nora Tschirner) hatten es mit einem schockgefrosteten, granulierten Kloßkönig, der genmanipulierten titelgebenden Sorte „robuste Roswita“, einer sieben Jahre verschwundenen Ehefrau mit angeblicher Amnesie und allerhand skurrilen, gierigen Verdächtigen zu tun. 

Aber lernen konnte man allerhand. Dass es ein Bundessortenamt gibt und Klöße im Topf frei schwimmen müssen. Und dies: „Erst wenn die Kartoffel geschält ist, zeigt sie ihren wahren Charakter.“

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