Neuer Asterix-Band: Tauben sind die SMS der Antike

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Im Dorf der unbeugsamen Gallier: Hier wird die „Gallische Revue“ gelesen.

Am Donnerstag erscheint ein neuer Asterix-Band: "Der Papyrus des Cäsar" handelt von Informationskontrolle.

Wie das so ist mit der Literatenkarriere eines Prominenten: Ohne einen Berater, der die Schriftwerke gehörig aufpoliert, wird es schwer auf dem Markt. Das geht selbst einem Herrscher wie Julius Cäsar nicht anders. Der geschmeidige Rufus Syndicus empfiehlt dem Lorbeerkranzträger deshalb dringend, die Passage in „Kommentare zum Gallischen Krieg“ zu seinen Problemen im Kampf gegen gewisse unbeugsame Gallier rauszustreichen. Wer sind schon Gallier, so sein Argument: „Erinnert sich in Rom überhaupt noch jemand an ihre Existenz?“

Jean-Yves Ferri und Didier Conrad greifen im heute erscheinenden 36. Asterix-Band „Der Papyrus des Cäsar“ das gesellschaftspolitisch brandaktuelle Themenfeld Nachrichtenkontrolle, Lauschangriff und Informationstechnologie auf, es gibt einen Whistleblower, Polemix, der im gallischen Dorf Asyl erhält.

Nachrichtenmanipulation: Cäsars Berater Syndicus empfiehlt den geschmeidigen Umgang mit der Wahrheit.

Die Gallier halten allerdings von diesen neumodischen Aufzeichnungen nicht viel. Was ist schon eine Papyrusrolle gegen die bewährte Mund-zu-Ohr-Überlieferung? Sie lesen zwar ihre „Gallische Revue“, interessieren sich darin aber hauptsächlich für die Horoskope. Als der besagte Kolporteur ihnen den Skandal berichtet - und auf seine „Plaga Versus“ (Schlagzeile) hofft, ist ihnen das erst nicht wichtig. Bis sich nach Prügeleien, einem Extrafässchen Zaubertrank und unter dem ausnahmsweise hilfreichen Einsatz des Barden Troubadix doch noch alles wendet.

Vielleicht sind Witzfülle und Detailreichtum nicht ganz so überbordend und abgedreht wie im Ferri-Conrad-Debüt „Asterix bei den Pikten“ vor zwei Jahren. Doch die Gagvarianten zur antiken Informationstechnologie, etwa zum Kurznachrichtenversand per Taube – Vögel büxen aus: „Verbindung unterbrochen“, beim Senden: „Anhang vergessen“ – machen viel Spaß.

Ebenso die zahlreichen Gag-Klassiker der Heft-Geschichte, die hier neu belebt werden: der Soldaten-Spähtrupp, der sich als Büsche tarnt, Figurennamen wie Auseinemgus und Bigdatha oder Seitengeschichten wie die von dem Druiden Pyrotechnix, der ein Wahrsagepraktikum in Delphi macht.

Zeichnerisch bleibt Didier Conrad nah am klassischen Albert-Uderzo-Stil. Auf den gut platzierten übergroßen Panels bei einer Reise in den Druidenwald gibt es überraschend schwelgerische optische Reminiszenzen an die Kinobildsprache von „Avatar“ und „Herr der Ringe“.

Der traditionelle Wildschweinschmaus am Ende bekommt dann noch ein herzerwärmendes Postskriptum. Letzte Panels erzählen, wie das mit der Mund-zu-Ohr-Überlieferung weiterging. Die Gallier-Geschichten landeten nämlich in einem Straßencafé des mittleren 20. Jahrhunderts, wo sie zwei grinsenden Typen in Trenchcoats erzählt werden. Es sind „Albert“ und „René“. Vor Begeisterung spritzt ihnen der Schweiß von der gezeichneten Stirn. Eine Verbeugung vor den Schöpfern der ehrwürdigen und quicklebendigen Heftreihe.

Asterix und der Papyrus des Cäsar, Ehapa, 48 Seiten, 12 Euro, Wertung: vier von fünf Sternen

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