Das Kasseler Staatstheater zeigt als Weihnachtsmärchen „Aladin und die Wunderlampe“ im Opernhaus

Ein Taugenichts reift heran

Zwischenzeitlich in einem Käfig eingesperrt: Steffen Casimir Roczek als Titelheld Aladin. Fotos:  Klinger

Kassel. Wie der fröhliche Taugenichts Aladin die Liebe der Prinzessin erringt, den bösen Zauberer austrickst und den hilfreichen Geist aus seinem Gefängnis in der engen Öllampe befreit, erzählt das Weihnachtsmärchen am Kasseler Staatstheater.

Im ausverkauften Opernhaus folgten die jungen Zuschauer bei der Premiere von „Aladin und die Wunderlampe“ gestern voll konzentriert der Geschichte und spendeten begeisterten Applaus. Am meisten gelacht haben sie, als die Prinzessin beim Herumbusseln mit geschlossenen Augen auf dem Marktplatz im romantischen Verliebtheitsüberschwang aus Versehen fast den Zauberer geküsst hat.

Ausstatterin Monika Frenz hat eine farbenfrohe morgenländische Stadt und dazu glitzernde Gewänder und klimpernde Fußkettchen gestaltet. Peter Seuwen (auch Text) setzt in seiner neunten Inszenierung für das Staatstheater auf viel orientalisches Flair und eine schöne Portion Humor.

Dazu schichtet er zwei Erzählebenen ineinander. Die Kinder erleben Aladins (Steffen Casimir Roczek) wundersame Begegnung mit dem Lampengeist und dem Ringgeist (beide Matthias Fuchs), seine Flucht aus gefährlicher Lage und seine Reifung vom fußballspielenden Rumhänger, der seiner Mutter (Christiane Ostermayer) auf der Tasche liegt, zum verantwortungsvollen Mann, der sich auch für die Freiheit anderer einsetzt.

Parallel dazu gibt es die Geschichte von Scheherazade (Andrea Cleven, auch Prinzessin Fata Morgana), die dem König (Ecco Mylla) 1001 Geschichten erzählt. Immer wieder wirft sich der Herrscher andere Kostüme über sein weißes Schlafhemd und steigt, von Scheherazade angeleitet, in verschiedenen Rollen mitspielend ins Geschehen ein. Eine schöne Regieidee.

Nach einem ersten Happy-End hat die 75-minütige Vorstellung kurz Anlaufschwierigkeiten vor der letzten Abenteuerfahrt, eine weitere kleine Schwäche sind manche recht abgegriffenen Reime („Ich liebe dich von ganzem Herzen / vorbei sind alle meine Schmerzen“).

Spaß machen die Bühnengestaltung mit einer funkelnden Tropfsteinhöhle und einem orientalischen Badehaus, in dem sich die Prinzessin samt Badeentchen tummelt sowie die stimmungsvoll-untermalende Musik von Jörg Wockenfuß. Als Aladin zwischenzeitlich eingesperrt wird, fordern Demonstranten seine Freilassung mit Transparenten, auf denen Sprüche wie „Kein Mensch ist illegal“ stehen. Ein Befreiungsaktivist sieht aus wie ein Schneewittchenzwerg im Osama-bin-Laden-Look.

Immer wieder gibt es Anspielungen auf Filme: Von E.T.s gerecktem Zeigefinger mit dem Wunsch „Nach Hause“ über Louis-de-Funès-Erstaunens-Klassiker „Nein!“ - „Doch!“ - „Oooh!“ bis hin zum abgewandelten Terminator-Spruch „Hasta la Nimmervista!“ reicht die nicht nur für Erwachsene amüsante Bandbreite.

Zahlreiche Termine, Kartentelefon: 0561-1094-222.

Von Bettina Fraschke

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