Intensive Weltmusik mit Mi Loco Tango in der Kreuzkirche

Teufel und Engel

Stilsichere Interpreten: Judith Herrmann (von links, Keyboard), Irina Bunn (Violine), Gregor Praml (Kontrabass) und Vassily Dück (Bajan) beim Auftritt in der Kreuzkirche. Foto: Malmus

Kassel. Gut 200 Zuhörer kamen am Samstag in der Kreuzkirche in den Genuss eines exquisiten, ganz den Kompositionen des Tango-Nuevo-Meisters Astor Piazzolla gewidmeten Konzerts. Mi Loco Tango, aus Frankfurt angereist, präsentierten ein facettenreiches Programm, in welchem sich die Zyklen „Del Diablo“ und „Del Angel“ als zentrale Elemente gegenüberstanden.

Im ersten, „diabolischen“ Teil wurde in Schwarz-Rot aufgespielt, doch die entscheidenden Farben lieferten natürlich die Instrumente. Irina Bunn lässt ihre Violine zirpen, schluchzen und knarzen, verleiht ihr aber vor allem einen wunderbar stimmhaften Klang, der zum Haupt-Melodieträger wurde.

Als tiefer Gegenpart wandert Gregor Pramls Bass oft im Kontrapunkt und verdeutlicht Piazzollas Nähe zum großen Vorbild Bach. Dass Judith Herrmann an diesem Abend auf einem E-Klavier spielte, mochte eine Notlösung sein, aber der transparent-moderne Sound fügte sich gut in den sorgfältig austarierten Ensembleklang ein. Im Kontrast dazu stand der warme Ton des von Vassily Dück meisterhaft gespielten Bayans, welcher überzeugend an die Stelle des Bandoneons trat.

Der zweite Teil, die Damen erschienen „engelsgleich“ im weißen Abendkleid mit Federboa, begann mit einem Ausflug in die Tango-Geschichte, die Gregor Praml - auch als Moderator ausgezeichnet - durch eine farbige Milieu-Schilderung von Jorge Luis Borges lebendig werden ließ. Das weltbekannte „Adios Nonino“ setzte den Schlusspunkt eines Abends, an dem Mi Loco Tango sich nicht nur als souveräne, stilsichere Interpreten erwiesen, sondern die Kompositionen Piazzollas mit frischem, vitalen Ton zeitlos modern erscheinen ließen.

Die mit heftigem Applaus geforderten Zugaben boten mit Nino Rotas „La passerella d’addio“ einen Ausblick auf einen Filmmusikabend des Ensembles. Diesen würde man gern am gleichen Ort in voller Länge erleben.

Aktuelles Album: Mi Loco Tango: Del Diablo Y Del Angel (Essay / Indigo).

Von Hartmut Schmidt

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