Der Pianist Lars Vogt über sein Konzert in Kassel mit Berg, Schumann und Liszt

Wo der Teufel lacht

Lars Vogt

Kassel. Der Pianist Lars Vogt ist der prominenteste Gast des Kasseler Musikfestes 2010. Am Freitag spielt er einen Soloabend mit Alban Bergs Sonate op. 1, Robert Schumanns C-Dur-Fantasie op. 17 und Franz Liszts h-Moll-Sonate.

Von den beiden letzten Werken hat Vogt gerade die CD-Aufnahmen abgeschlossen.

Herr Vogt, sind Sie Bergsteiger?

Lars Vogt: Nein, warum?

Von den drei Werken, die Sie in Kassel spielen, sind wenigsten zwei pianistische Achttausender. Wie kann man so etwas schaffen?

Zur Person

Der Pianist Lars Vogt (39) stammt aus Düren, wo er auch lebt. Er studierte bei Karl-Heinz Kämmerling in Hannover und gehört heute zur internationalen Pianistenelite. 2004 war er Echo-Klassik-Preisträger. Im selben Jahr eröffnete er den neuen Saal der New Yorker Carnegie-Hall mit einem Soloabend. Vogt ist mit der russischen Komponistin Tatjana Komarova verheiratet und hat mit ihr eine Tochter.

Vogt: Die Schumann-Fantasie spiele ich schon länger, die Liszt-Sonate kam vor etwa zwei Jahren dazu. Mir ist dabei aufgefallen, dass Schumann seine Fantasie Franz Liszt gewidmet hat, und Liszt seine Sonate Robert Schumann zugeeignet hat. Die Zwiesprache der beiden Komponisten über zwei solch bedeutende Werke hat mich gereizt, sie zusammen in ein Programm zu nehmen. Aber Sie haben Recht, das hat schon etwas von Gipfelstürmerei.

Robert Schumann (1810-1856) steht im Jahr seines 200. Geburtstags groß im Fokus. Wie sehen Sie seine C-Dur-Fantasie? 1836, im Jahr der Komposition, ging es ihm ja nicht gut.

Vogt: Wie so oft in Schumanns Musik kommt eine Vielzahl von Aspekten zusammen. Da ist zu Beginn des ersten Satzes diese überschwängliche Emotion, die herabsinkt bis in gebetsartige Stille. Der zweite Satz ist dann so freudig, dass man kaum Leid darin erblicken kann, und der dritte Satz ist schließlich voller Melancholie. Das Ganze aber ist durchdrungen von einer ungeheuren Innigkeit. Darin liegt Schumanns große Besonderheit.

Was macht es so schwer, Schumann zu spielen?

Vogt: Die Stimmungslagen sind immer sehr fragil bei Schumann, Freude kann in Sekunden abbrechen oder einen neuen Unterton bekommen. Diese Vielfarbigkeit wiederzugeben, ist eine Herausforderung.

Hat sich Liszt in seiner h-Moll-Sonate auch musikalisch auf Schumann bezogen?

Vogt: Ich glaube es beinahe nicht. Ich vermute, dass Liszt nach Schumanns Selbstmordversuch mit seiner Widmung einen Gruß an den leidenden Kollegen gesandt hat. Die Sonate ist ja quasi ein Faust-Drama. Musikalisch empfinde ich mich fast wie bei Wagner und „Tristan und Isolde“. Ich versuche, die Sonate auch eher wie eine Wagner-Oper zu spielen.

Der Schluss der aufwühlenden Sonate ist ja ganz verhalten. Friede oder Erschöpfung?

Vogt: Ich finde, der Teufel lacht noch hinter den letzten Akkorden hervor.

Wie kommt die Berg-Sonate in Ihr Programm hinein?

Vogt: Die Berg-Sonate erinnert in ihrer emotionalen Fragilität an Schumann. Gleichzeitig ist die Tonart h-Moll zentral - der Abend wird also durch zwei h-Moll-Sonaten verklammert.

Freitag, 20 Uhr, Kassel, documenta-Halle. HNA-Kartenservice: Tel. 0561 / 203 204.

Von Werner Fritsch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.