Des Teufels Blockflötist: Red Priest beim Kultursommer in Zierenberg

Barockmusik einmal ganz anders: Das Quartett Red Priest in Zierenberg. Foto: Dilling

Zierenberg. Sind es Teufel, sind es Priester? Die vier Musiker des englischen Barockensembles „Red Priest“ stürmten in die Zierenberger Stadtkirche, als wollten sie sie im Handstreich übernehmen.

Und das tun sie auch, denn das Publikum haben sie schon mit den ersten Tönen erobert. Das Motto des Kultursommer-Konzerts am Freitagabend vor 300 Zuhörern war also durchaus passend: „Pirates of Baroque“.

Solche Piraten führen keine näselnden Violinen, keine lispelnden Blockflöten. Mit ihren Waffen gehen sie immer volles Risiko. Chef des Trupps ist Piers Adams, der nicht weniger als zwölf verschiedene Blockflöten im Arsenal hatte und sie ständig wechselte. Einmal spielte er sogar zwei gleichzeitig. Teuflisch gut ist dieser Musiker in Rot und Schwarz wie sein Vorbild, der „Rote Priester“ Antonio Vivaldi, dem er nacheifert. Dass Vivaldis Geigenpart im Frühling der „Vier Jahreszeiten“ auf einer Blockflöte eigentlich nicht nachzuspielen ist: Was macht’s? Adams holt alles aus dem Holz heraus und facht die Begeisterung in der Kirche weiter an.

Die vier Engländer – neben Adams die Geigerin Julia Bishop, die Cellistin Angela East und der Cembalist David Wright – hatten sich für ihre Kaperfahrt Venedig und Neapel ausgesucht. Ihre Beute waren Stücke von Vivaldi, Lanzetti, Durante, Corelli und Alessandro Scarlatti. Die Werke wurden verdichtet, rhythmisch geschärft, mit Geräuschen angereichert (zum Piepen die Vogelstimmen in Vivaldis „Frühling“), in andere Stile überführt. All dies ergab ein echtes Vergnügen ohne auch nur eine Spur von historischer Aufführungspraxis. Der Staub der Archive ist nichts für wilde Seefahrer.

Von Johannes Mundry

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