Neuer Spielplan: Höhepunkt der Saison 2010/11 am Kasseler Staatstheater

Theater als Live-Erlebnis

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Das neue Leitungsteam: Dieter Klinge, Kinder- und Jugendtheater (von links), Chefdramaturg Michael Volk, Musiktheaterdramaturgin Ursula Benzing, Generalmusikdirektor Patrik Ringborg, Intendant Thomas Bockelmann, Operndirektor Thomas Weiler, Tanzdirektor Johannes Wieland und Oberspielleiter Patrick Schlösser. 

Kassel. „Wir müssen wieder deutlicher machen, dass ein Theaterabend etwas ganz Besonderes ist“, sagt Patrick Schlösser, der neue Oberspielleiter des Kasseler Staatstheaters. „Das ist live, das kann man sich nicht herunterladen.“

Die Theaterleute wollen künftig noch präsenter sein, noch mehr erklären. Das Erfolgskonzept Stückeinführung aus dem Opernhaus wird in der neuen Spielzeit ins Schauspiel übernommen: Vor jeder Aufführung gibt es eine Einführung, so Intendant Thomas Bockelmann. Bei der Vorstellung des neuen Spielplans rückte das Führungsteam, zu dem auch der neue Chefdramaturg Michael Volk gehört, das Erlebnis Theater ins Zentrum. Welche Stücke dies ermöglichen sollen, wurde gestern vorgestellt.

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Den Auftakt bildet am 18. September im Opernhaus die zeitgenössische Oper „Lear“ von Aribert Reimann, Paul Esterhazy inszeniert, Dirigent ist Generalmusikdirektor Pat-rik Ringborg. Im Schauspielhaus inszeniert zum Saisonstart Intendant Bockelmann Samuel Becketts modernen Klassiker „Warten auf Godot“ (25. September). Ein musiktheatralisches Glanzlicht setzt dann Engelbert Humperdincks Märchenspiel „Hänsel und Gretel“, bei dem es ein Wiedersehen mit Thomas Richter-Forgách gibt, der in Kassel in den 60er-Jahren den legendären Melchinger-Ring ausgestattet hat. Die Produktion wird aus Essen übernommen, Elmar Gehlen inszeniert (in Kassel war die letzte „Zauberflöte“ von ihm), musikalische Leitung: Patrik Ringborg (11. Dezember).

Giuseppe Verdis Paradeoper „Otello“ wird am 29. Januar von Volker Schmalöer inszeniert, Dirigent ist Marco Comin. Die Richard-Wagner-Tradition setzt „Lohengrin“ (7. Mai) fort, Lorenzo Fioroni inszeniert, am Dirigentenpult steht erneut Patrik Ringborg. Wer die beiden Titelrollen singt, wollte Operndirektor Thomas Weiler noch nicht verraten. Das neue Musical hat einen Kassel-Bezug, denn es verarbeitet Grimm’sche Märchenstoffe: „Into the Woods - Ab in den Wald“ stammt von Stephen Sondheim. Die musikalische Leitung hat ab 30. Oktober Alexander Hannemann, Regie: Matthias Davids.

Johannes Wieland zeigt ein Tanzstück „Scheherazade“ (26. März) zu Orchestermusik von Rimski-Korsakow im Opernhaus. Von der Förderpreisträgerin des Kasseler Literaturpreises, Rebekka Kricheldorf, bringt Schirin Khodadadian als Uraufführung „Robert Redfords Hände selig“ auf die tif-Bühne (3. Oktober). Zum ersten Mal in Deutschland ist am 11. März „Sex“ von Justine del Corte zu sehen. Johannes Schütz inszeniert - es ist die erste Schauspielregie für den hochkarätigen Bühnenbildner seit langem. In Kassel hatte zuletzt seine Opernproduktion „Tristan“ für Aufsehen gesorgt.

Ins Klassikerfach gehören Georg Büchners „Woyzeck“ (22. Januar) in der Regie von Markus Dietz und Euripides’ „Medea“ von Antike-Spezialist Gustav Rueb. Wenn die Finanzierung bewältigt werden kann, wird es in der Karlsaue ein Sommertheater geben: Patrick Schlösser wird dann die Tom-Waits-Hommage an den Freischütz umsetzen, das düster-romantische Musikstück „The Black Rider“.

Von Bettina Fraschke

Musiktheater

„Lear“, Oper in zwei Teilen von Aribert Reimann. Musikalische Leitung: Patrik Ringborg, Inszenierung: Paul Esterhazy, Premiere: 18. September, Opernhaus

„Into the Woods“, Musical in zwei Akten von Stephen Sondheim. Musikalische Leitung: Alexander Hannemann, Inszenierung: Matthias Davids, Premiere: 30. Oktober, Opernhaus

„Hänsel und Gretel“, Märchenspiel in drei Bildern von Engelbert Humperdinck. Musikalische Leitung: Patrik Ringborg, Inszenierung: Elmar Gehlen, Premiere: 11. Dezember, Opernhaus

„Otello“, Dramma lirico in vier Akten von Giuseppe Verdi. Musikalische Leitung: Marco Comin, Inszenierung: Volker Schmalöer, Premiere: 29. Januar 2011, Opernhaus

„Julius Cäsar“, Oper in drei Akten von Georg Friedrich Händel. Musikalische Leitung: Alexander Hannemann, Inszenierung: Dominique Mentha, Premiere: 12. März 2011, Opernhaus

„Lohengrin“, Romantische Oper in drei Akten von Richard Wagner. Musikalische Leitung: Patrik Ringborg, Inszenierung: Lorenzo Fioroni. Premiere: 7. Mai 2011, Opernhaus

„Oh, Tell o.! Electropera“, 7. Theater-Jugendorchester-Projekt. Musikalische Leitung: Thomas Rimes, Premiere: 10. Juni 2011, Schauspielhaus

„Don Pasquale“, Dramma buffo in drei Akten von Gaetano Donizetti. Musikalische Leitung: Marco Comin, Inszenierung: Lisa Marie Küssner, Premiere: 11. Juni 2011, Opernhaus.

Schauspiel

„Warten auf Godot“ von Samuel Beckett, Inszenierung: Thomas Bockelmann, Premiere: 25.9., Schauspielhaus

„Der Marquis von Keith“ von Frank Wedekind, Inszenierung: Patrick Schlösser, Premiere 2.10., Schauspielhaus

„Robert Redfords Hände selig“ von Rebekka Kricheldorf, Inszenierung: Schirin Khodadadian, Uraufführung: 3.10., tif

„Undine / A night with the Elements“. Lieder von Feuer, Wasser, Erde & Luft. Ein elementarer Liederabend in zwei Teilen von Dirk Raulf, Inszenierung: Dirk Raulf, Uraufführung: 20.11., tif

„Das Sparschwein“, Komödie von Eugène Labiche, Inszenierung: Volker Schmalöer, Premiere: 27.11., Schauspielhaus

„Das Maß der Verlässlichkeit“ von Benedikt Bernhard Haubrich, Inszenierung: Pat-rick Schlösser, Uraufführung: 20.1.2011, tif

„Woyzeck“ von Georg Büchner, Inszenierung: Markus Dietz, Premiere: 22.1.2011, Schauspielhaus

„Sex“ von Justine del Corte, Inszenierung und Bühne: Johannes Schütz, Deutsche Erstaufführung: 11.3.2011, Schauspielhaus

„Das Leben der Bohème“ nach dem gleichnamigen Film von Aki Kaurismäki, Inszenierung: Martin Schulze, Premiere: 13.3. 2011, tif

„Medea“ von Euripides, Inszenierung: Gustav Rueb, Premiere 30.4.2011, Schauspielhaus

„Verliebte und Verrückte“, eine Shakespeare-Collage von George Tabori, Inszenierung: Sebastian Schug, Premiere: 9.6.2011, tif Sommertheater in der Karlsaue:

„The Black Rider“ (Tom Waits / William S. Burroughs), Inszenierung: Patrick Schlösser, Premiere: 17.6.2011 (unter Finanzierungsvorbehalt)

„Versuchsanordnung 4: Dichterliebe?“, ein Projekt von Sabine Simon, Uraufführung: 11.9., tif

Kinder- und Jugendprogramm

„Schwarz wie Tinte“ von Ruth de Gooijer. Inszenierung: Dieter Klinge, Premiere: 26. September, tif

„Die verzauberten Brüder“ von Jewgenij Schwarz. Inszenierung: Peter Seuwen, Premiere: 17. November, Opernhaus

„Der Fischer und seine Frau“ von Einar Schleef. Inszenierung: Dieter Klinge, Premiere: 4. März 2011, tif

„Medeas Kinder“ von Per Lysander / Suzanne Osten nach Euripides. Inszenierung: Alexander Schilling, Premiere: 6. Mai 2011, tif

Tanztheater

„Newyou“ (Kasseler Fassung). Ein Stück von Johannes Wieland. Uraufführung: 5.10., Schauspielhaus

„Breitengrad“ (Arbeitstitel), Stücke von Johannes Wieland und Linda Kapetanea / Josef Frucek, Uraufführung: 10.12., Schauspielhaus

„Scheherazade“ (Arbeitstitel), ein Stück von Johannes Wieland, Uraufführung: 26.3. 2011, Opernhaus

„Traffic“ (Arbeitstitel), ein Stück von Johannes Wieland. Uraufführung: 14.5.2011, tif

Choreografische Werkstatt, Uraufführung: Juni 2011, tif

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