Das Theater der Universität Kassel rettet die Grimms

Rettet Dornröschen: Das Studententheater hilft. Foto: nh

Kassel. Die Stimmen von oben sind unüberhörbar. „Rettet uns.“ Vor der Vermarktung, vor dem medialen Allerlei, jedem sein Lieblingsmärchen, und ich will auch Prinz werden. Jakob und Wilhelm Grimm, aber auch Dorothea Viehmann haben die Nase voll davon.

Eine Flut von Veranstaltungen im Jubiläumsjahr, ein einziger großer Lobgesang. Und dann noch die Märchenforscher. Alles zu viel. Rettet uns.

Beim Theater der Universität Kassel unter der bewährten Leitung von Volker Hänel und Ulrike Birgmeier wird die Grimm-Welt mit all ihren inflationären Auswüchsen kräftig gegen den Strich gebürstet. Vierzehn junge Menschen räumen lustvoll und witzig mit dem überbordenden Grimmskrams auf: Das Dornröschen als eitles Model auf High Heels, der böse Wolf in Omas Pelzmantel macht sich über die Mädels her, Rumpelstilzchen rappt wie ein aggressiver Derwisch zum Song „Heute hol ich der Königin ihr Kind“. Märchenfiguren einmal nicht von gestern.

Simsala Grimm: Da werden Videos mit Publikumsbefragungen und Märchenwaldbildern (Johannes Schröder) auf die Leinwand gezaubert, und bei der Gameshow wird gerätselt wie im Fernsehen. In der dynamischen Inszenierung wechseln Solo- und Gruppenauftritte, werden chorisch gesprochene Kommentare eingeschoben, lebt das Spiel mal von minimalistischen Bewegungen, mal von Performance-ähnlichen Läufen. Die Texte sind präzise erarbeitet, mit viel Ironie und lokalen Bezügen. Selbst die zu klein geratene Grimm-Skulptur gegenüber dem Landesmuseum wird aufs Korn genommen, ein Leserbrief vorgelesen: Danke Hilke Gerke.

Die Grimm-Expedition samt Hund lebt von der Vielfältigkeit der Ideen und dem frechen Zugriff - ein ambitioniertes Spiel, vom Publikum am Schluss heftig beklatscht. Da sind die Spieler noch einmal mit Transparenten durch den Raum gezogen. Demonstranten fordern: Rettet Grimms, rettet die Fantasie.

Es spielten: Sandra Bökelmann, Christian Egners, Lea Heidbreder, Julia Kopylova, Felix Kramer, Lisa Mair, Sandra Opoka, Marie Prackwieser, Katharina Rek, Johannes Schröder, Axel Stemmann, Tim Ullrich, Laura Wetzel und Irina Wollek.

Auch am 5., 8., 9., 11. und 13. Juni, 20 Uhr, Dock 4

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