Interview: Der Kabarettist Hans Günter Butzko über sein Programm „Verjubelt“, das er in Baunatal zeigt

„An der Theke statt Stammtisch“

Baunatal. Er zieht wirtschaftliche Entscheidungen durch den Kakao, die ihm absurd erscheinen: Hans Günter Butzko ist am morgigen Freitag in Baunatal im Stadtteilzentrum am Baunsberg zu Gast. Baunatal kennt der Kabarettist aus dem Gelsenkirchener Stadtteil Schalke schon von drei vorherigen Auftritten. Was die Zuschauer bei seinem Programm „Verjubelt“ erwartet, darüber spricht Butzko im Interview:

Herr Butzko, Sie sagen, Ihr Kabarett ist wie ein Gespräch an der Theke. Ist das, was Sie machen, Stammtischgeplauder?

Hans Günter Butzko: Eben nicht. Der Stammtisch sitzt ja und schimpft über Minderheiten, es werden Parolen geklopft. An der Theke aber stehen Leute, die sich Gedanken machen und die Schnauze voll haben vom Stammtisch.

Worum geht es in „Verjubelt“ genau?

Butzko: Es geht um den Wahnsinn, den wir derzeit in der Weltwirtschaft erleben. Seit 1997 mache ich politisches Kabarett über Leute wie Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel. Als 2008 die Finanzkrise begann, dachte ich mir: Wenn du dich mit den Mächtigen beschäftigen willst, wieso hältst du dich dann mit Politikern auf und nicht mit Leuten wie Josef Ackermann?

Wie hoch ist der politische Anspruch Ihres Programms?

Butzko: Jeder Zuschauer wird es verstehen und sich amüsieren. Ich biete eine Dienstleistung, indem ich mich schlaumache über politische Ereignisse und dann das Absurde und Skurrile satirisch beleuchte.

Es ist also nicht viel Vorwissen nötig, um Ihnen folgen zu können?

Butzko: Es ist gar kein Vorwissen nötig. Aber je besser ein Zuschauer über das Zeitgeschehen Bescheid weiß, desto eher kann er das Programm genießen.

„Politisches Kabarett soll immer aufklären.“

Kabarettist HG Butzko

Sollen die Zuschauer von Ihnen etwas lernen?

Butzko: Politisches Kabarett sollte immer einen aufklärenden Aspekt haben. Die Leute in ihren Ansichten einfach nur zu bestätigen, das finde ich fad, das machen die Karnevalisten. Die Zuschauer sollen bei mir auch mal etwas hören und dann denken, verflixt, so was hab’ ich noch nicht gesehen.

Was zum Beispiel?

Butzko: Im zweiten Teil des Programms mache ich ein Experiment, um zu zeigen, warum unsere Kreditwirtschaft nicht funktionieren kann. Um das zu verstehen, muss man nicht BWL studiert haben. Es reicht, zu mir ins Kabarett zu kommen.

Wenn Sie die Wahl hätten, wären Sie für den Euro oder für die D-Mark?

Butzko: Wenn wir die D-Mark wiederbekommen, dann aber nur, wenn wir auch den Frauen das Wählen wieder verbieten.

In Ihrer Ankündigung heißt es: „Das meiste Geld hab’ ich für Frauen und Autos ausgegeben, den Rest hab’ ich verjubelt“. Auf welchen Frauentyp stehen Sie?

Butzko: Auf meine!

Und was für ein Auto fahren Sie?

Butzko: Ein griechisches.

Fahren Sie auch nach Griechenland in den Urlaub?

Butzko: Das wäre doch mal was. Oder noch besser: Eine Reise durch die Krisenländer, von Griechenland über Italien und Portugal nach Irland, und zwar mit dem Aida-Kreuzfahrtschiff. Wir fangen mit Zaziki an und hören auf mit Guinness.

Wie spontan sind Sie, was Ihre Witze betrifft?

Butzko: Ich gehöre nicht zu den schlagfertigsten Komikern, sondern gehe lieber den Dingen auf den Grund und feile an den Pointen. Ich bin sozusagen als Autodidakt dialektisch geschult. Sie können schreiben, dass ich auch ab und zu mal etwas sage, was keiner versteht.

Der Kabarettist HG Butzko tritt am Freitag, 20 Uhr, im Stadtteilzentrum am Baunsberg auf. Kartenvorverkauf: 05 61/20 32 04.

Von Stefanie Dietzel

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