Der Thekenphilosoph: Rolf Miller beim Sommer im Park

Nichts bringt ihn aus der Ruhe: Die Rolf-Miller-Pose. Archivfoto: Schoelzchen/nh

Vellmar. Rolf Miller ist ein nordbadischer Westfranke. Ihn verbindet viel mit dem Sprecher aus der Radiowerbung für Seitenbacher-Müsli. Der wohnt nämlich ganz in seiner Nähe, spricht den gleichen Akzent, wiederholt sich oft und bringt selten einen Satz zu Ende.

Am Donnerstagabend präsentierte der Kabarettist Rolf Miller sein Programm „Tatsachen“ beim Sommer im Park in Vellmar. Zwei Stunden lang saß er dazu breitbeinig und bequem zurückgelehnt auf einem Stuhl auf der Bühne, erzählte Anekdoten aus dem Beziehungsleben seiner Freunde und kommentierte das ganz große Weltgeschehen.

Rolf Miller wirkt wie ein Kneipenbesucher, der an der Theke vor sich hin redet. Dabei hat er leichte Wortfindungsstörungen und sagt manchmal das Gegenteil von dem, was er eigentlich sagen will. Verstehen tut man ihn allerdings immer. Und so wird der Schießbefehl zum Schießding, der Kniefall zum Knieding und Umweltschutz zum Schutzding.

Der spöttische Pragmatiker erzählt mit geringstem Vokabular die größten Geschichten. „Amerika, da ist nichts mehr, und jetzt ablenken. Bombe.“ Er kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen und macht sich auch gern mal „auf Kosten eines Witzes“ über seine Freunde lustig.

Achim und Jürgen, von denen er gern erzählt, mögen ihn aber trotzdem. Weil man mit ihm ordentlich feiern kann, wie bei der „Euro-WM irgendwas“ im vergangenen Jahr, und weil er immer einen guten Ratschlag für ihre Beziehungsprobleme hat: „Ihr müsst mal wieder zu zweit irgendwas.“

Den analytischen Verstand hat Rolf Miller von seinem Vater geerbt. Der sagte einst zu seinem in der DDR lebenden Bruder am Telefon: „Morgen ist Montag. Auch bei euch. Da müsst ihr wieder machen, als ob ihr was tut.“

Rolf Miller war für die erkrankte Mirja Boes eingesprungen. Mit seinem stoischen Gestammel riss er die Gäste im halb gefüllten Zelt nicht gerade von den Stühlen, aber: Eine Katze ist nun einmal kein Pferd, sonst könnte man ja Bäume hochreiten. Dennoch viel Applaus für den Thekenphilosophen.

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