Der Jugend-Club des Staatstheaters spielt "Das 'Ding"

Zeigten viele Facetten: Tom Knuf (vorn, von links), Johanna Leuteritz, Carina Hengst und Annika Siebling sowie (hinten von links) Tilman Besse, Fenja Abel, Stella Schiller und Anastasia Oleinik. Foto: Malmus

Kassel. Kennen Sie Baumwolle? Besser gesagt diese kleinen Faserbüschel, Flocken, aus denen man flauschige Klamotten macht? Der Autor Philipp Löhle hat einen anderen Namen dafür und so heißt auch sein Stück: „Das Ding“.

Der Jugend-Club des Staatstheaters machte Löhles Ding zu seinem Ding und führte das Stück am Sonntag im bestens gefüllten Tif auf. Die Leitung hatte der Staatstheaterschauspieler Peter Elter, für die Ausstattung und Bühne war Anika Klippstein zuständig.

Die Inszenierung fokussiert sich optisch auf ein statisches, aber sehr ansprechendes Bühnenbild. Die acht Darsteller kauern zumeist auf einer weißen, stimmungsvoll ausgeleuchteten Bühnenebene. Hinter ihnen: transparente Stellwände.

Statt Handlung dominieren Sprache und Erzählungen. Immer wieder spielt Baumwolle eine Rolle, ist das Bindeglied für viele kleine, zumeist etwas tragische Geschichten, die auch für die Macht und Gefahren der Globalisierung stehen. Bei einem Pärchen, dessen Beziehung vor dem Aus steht, weil sie von sich Nacktfotos ins Internet stellte. Bei einem chinesischen Baumwoll-T-Shirt-Fabrikanten, der die Fotos sah, für die Frau entflammte und nun anreist, um sie zu retten.

Bei einer Entwicklungshelferin mit einer Baumwollplantage, die statt wie geplant Biokleidung, nun aus wirtschaftlichen Zwängen „Dead Men“-Klamotten verkauft.

Auch die Baumwolle selbst kommt zu Wort: Per Mikrofon wird ihre Geschichte erzählt. Wie sie gepflückt, verpackt, verschickt wurde, als T-Shirt von einer Kugel getroffen und – wie sie sich bei all dem fühlt.

Die Inszenierung kam beim Publikum gut an. Die etwas statisch ausgerichteten Spielsequenzen bremsten zwar den Spielfluss ein wenig ab, witzige, originelle Regieeinfälle aber – ein überdimensionaler Koi umrundet die Darsteller – punkteten beim Publikum. Die jungen Darsteller überzeugten zudem durch die Reihe mit viel Präsenz, Ausstrahlung und Spielfreude. Viel Applaus.

Es spielten: Annika Siebling, Stella Schiller, Johanna Leuteritz, Fenja Abel, Anastasia Oleinik, Carina Hengst, Tilmann Besse, Tom Knuf.

 

Wieder Dienstag, 20.15 Uhr, tif, Theater im Fridericianum, Karten: 0561-1094-222.

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