Aus der Tiefe des Gefühls: Die Singer-Songwriterin Kat Frankie im Kulturzentrum Schlachthof

Ihrem Gesang kann man ich nicht entziehen: Kat Frankie im Schlachthof. Foto: Schachtschneider

Kassel. Ihr Name klingt ein wenig wie eine Figur, die in einem Wildwest-Film Postkutschen ausraubt: Kat Frankie. Doch Spaß beiseite. Wenn die seit 2014 in Berlin lebende australische Musikerin etwas raubt, dann höchstens der festgefahren Meinung, Singer-Songwriter klingen immer gleich, den Boden. Popballaden und Folkmelodien gehören zu ihren Leidenschaften – die Folk-Plattensammlung ihrer Mutter prägte sie als Kind.

Nicht nur ihre Musik findet immer mehr Fans. Die 39-Jährige kokettiert gern mit einem androgynen Image. Das Foto von ihr im Programmheft des Schlachthofs passt dazu: die Haare kurz und streng gescheitelt, weißes Hemd, schwarzes Jackett. Ihr Outfit am Freitag im proppenvollen Schlachthof hingegen – stinknormal: Freizeitbluse, Jeans, die langen, dunklen Haare offen – fertig. Ihre Band mit Robert Kretschmar (Schlagzeug), Albertine Sarges (Keyboard) und Chris Rodriguez (Bass) bekommt viel Beifall, bleibt aber zumeist im Hintergrund.

Vom Image einer typischen Singer-Songwriterin löst sich Kat Frankie immer mehr, kehrt aber bisweilen dorthin zurück. Ihre dunkle Gesangsstimme und die melodramatischen Farben ihrer Musik werden wohl immer ihr Markenzeichen bleiben. Stücke aus ihren letzten Alben, aber auch einige neue Kompositionen bringt sie mit.

Die Besucher sind von der Ausstrahlung ihrer Kreationen und von ihrem Gesang sehr berührt. Ihrer eindringlichen Stimme und ihren aus der Tiefe kommenden Stimmungsbildern kann man sich nicht entziehen. Musik, die für die Nacht geschrieben scheint. Auch ohne die englischen Texte zu übersetzen, gräbt sich dieser Eindruck ein. Doch die gelernte Innenarchitektin zeigt an diesem Abend auch andere Seiten. Sie witzelt: „Wir in Berlin essen Berliner. Was esst ihr hier in Kassel, Kassler?“, und sie schichtet per Loop-Maschine Gesangsphrasen übereinander und präsentiert sich so auch als Musikerin, die nicht nur auf Gefühle, sondern auch auf dynamische und rhythmische Arrangements setzt.

Riesenapplaus, auch für die Wiener Songschreiberin Schmieds Puls, die den Abend eröffnet hatte.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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