Tiefe Tragik mit Schostakowitsch

Grimmig, umschattet, pathetisch: Dirigentin Joana Mallwitz und Violinistin Katalin Hecegh beim 1. Violinkonzert von Dmitri Schostakowitsch. Foto: Zgoll

Violinistin Katalin Hercegh und Dirigentin Joana Mallwitz gestalteten den Saisonauftakt der Kasseler Sinfoniekonzerte.

KASSEL. Dunkel und leise heben die tiefen Streicher an, ehe die Solovioline eine fahle Traurigkeit ausbreitet. Abgründig begann am Montag das Sinfoniekonzert in der fast vollen Kasseler Stadthalle. Das Staatsorchester Kassel startete mit dem 1. Violinkonzert von Dmitri Schostakowitsch in die neue Saison - ein eindrucksvoller, ein bewegender Start.

Wie kaum ein anderer hat Schostakowitsch die Tonfälle des Depressiven und Grotesken beherrscht. So auch in diesem 1955 von dem Geiger David Oistrach uraufgeführten Werk. Auf ein umschattetes Nocturne folgt ein grimmiges Scherzo. Tiefes Pathos prägt dann die Passacaglia in altertümlicher Ostinato-Form, während die abschließende Burleske einem fröhlichen Kehraus Hohn spricht.

So dunkel diese Stimmungen waren, so packend wurde musiziert. Als Solistin aus den eigenen Reihen beeindruckte Katalin Hercegh, die koordinierte 1. Konzertmeisterin des Staatsorchesters. Sie meisterte den aufreibenden Geigenpart souverän und ausdrucksstark, sie verstand sich auf den leisen Schmerz ebenso wie auf das Furiose. Zu Recht bekam sie großen Beifall sowohl von den Musikerkollegen als auch vom Publikum.

Als Gastdirigentin überzeugte Joana Mallwitz, die 1986 geborene Generalmusikdirektorin des Theaters Erfurt. Sie modellierte mit eleganten Gesten die Klänge, konnte aber auch rhythmische Schärfe einfordern. Noch gelöster agierte sie in der zweiten Hälfte, als es nach Ungarn ging.

Musik von Zoltán Kodály bildete eine stimmige Ergänzung zu der vorangegangen Tragik: Man blieb im 20. Jahrhundert, doch es wurde heller und süffiger. In der „Háry-János-Suite“ ging es farbenprächtig zu. Da kamen die von Schostakowitsch ausgesparten Trompeten und Posaunen zum Einsatz, da gab es viele Klangreize: Glockenklänge, Soli von der Viola bis zum Saxofon, und am Cimbalom verstärkte der Gastmusiker Luigi Gaggero das magyarische Kolorit.

Seine Brillanz demonstrierte das Kasseler Orchester auch in den „Tänzen aus Galánta“, die von virtuosen Bläsersoli geschmückt waren, allen voran von der Klarinettistin Sabine Neher. Langer Beifall beschloss das starke Konzerterlebnis.

Von Georg Pepl

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